“Börse und Wirtschaft - zyklisch betrachtet”

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aktualisiert am: 23.  Juli 2017                Siehe auch unsere umwälzende  neuartige >BOGEN-Börsenzyklik <

Unser Börsenbrief beobachtet die Zyklen vom Dow, DAX und Gold.

Fundamentale Hintergründe,

die wir im Börsenbrief kaum oder nur kurz ansprechen, die aber das Börsengeschehen maßgebend beeinflussen, finden hier einen breiten Raum. Einige dieser Themen lassen erahnen, welch eine
                                   tiefgreifende Jahrhundertbaisse
vor uns steht. Unsere Texte über die fundamentalen Hintergründe ab dem Jahr 2003 sind hier abgelegt.
 

Vorwort: (vom April 2014, letzter Absatz vom April 2015)
Eine Durchsicht der unten aufgeführten Themen aus dem Blickwinkel April 2014 lässt kaum glauben, dass etwa im Jahr 2000 der Höhepunkt des derzeitigen Kondratieffzyklus erreicht wurde. Das letzte Hoch zuvor ergab sich 71 Jahre zuvor im Jahr 1929, als der damalige Jahrhundert-Absturz begann. Erst kurz nach dem Krieg, ab dem Tief des Jahres 1946, startete der jetzt laufende Kondratieffzyklus. Damit ging es in den westlichen Ländern mit der Wirtschaft wieder  aufwärts. Diese Anstiegsphase dauerte bis zum Höhepunkt im Jahr 2000. Der DAX erreichte damit seinen Kursgipfel bei einem Kurs von 8136 und stieg, unter heftigem Auf und Ab nur noch inflationsbedingt bis Januar 2014 weiter an. Um die Konjunktur zu stützen, begannen die Notenbanken, ab dem Jahr 2000 im jährlichen Billionenumfang Geld zu drucken. Damit startete das Gold, die einzige stabile Währung der Welt, bei einem Kurs von 250 Dollar pro Feinunze, einen Anstieg bis zum Jahr 2013 auf sage und schreibe 17500 Dollar. In der FAZ war dazu nachzulesen, wie unten “Zur Goldpreismanipulation” berichtet: "Der US-Aktienmarkt sei seit dem Jahr 1999 um 80 Prozent gefallen, wenn man die Entwicklung der Indizes nicht in Dollar, sondern in Gold berechne." Das Ende des derzeitigen Kondratieff erwartet der Verfasser etwa im Jahr 2018 anlässlich eines Zusammenbruchs, wie nach dem Hoch des Jahres 1929, der bis 1946 andauerte. Das waren damals 17 Jahre und nun dürften es rund 18 werden. Anschließend dürfte im Rahmen des nächsten Kondratieff ein neuer Aufschwung beginnen.
Aus der Sicht ab dem Jahr 2014 läuft bereits ein 5. Kondratieff-Zyklus. Denn seit rund 350 Jahren fallen die Zinsen. Da ein 5. Zyklus allgemein besonders ausgeprägt ist, dürfte der abschließende Absturz weitaus dramatischer ausfallen, als der von 1929 bis 1932 und seinen bis 1946 laufenden Nachwirkungen in den USA. Gegenüber dem DAX verläuft der FAZ-Index klarer im Sinn des Kondratieff-Zyklus: Der FAZ-Index erreichte im Jahr 2000 eine Kursspitze, stürzte dann ab und durchlief im März 2015 ein superbaisseträchtiges Doppelhoch.   

 

  Die Themen:
  Der Kondratieff-Zyklus
 
Goldman Sachs - “Eine Bank lenkt die Welt”
 “Der Weltgeldbetrug” (Prof. Hamer)
  Zur Goldpreismanipulation
  Stichwort “Naher Osten”
  Die Zyklik hilft, Anleger abzukassieren
 
Ein 70 Jahre langer Zyklus der Großspekulation
  Erfahrungen des Verfassers als Erfinderunternehmer
  Die Zyklik des “american way of life”
  ”Q-Faktor” nach Tobin und die Langfristzyklik
  Aktuelle Brennpunkte des 70-Jahres-Zyklus
  Der Thailand-Coup (Beginn der Fahrt in den Abgrund)
  Der Terroranschlag vom 11. September 2001
  Die Ursachen und die Folgen des Irakkriegs
  Freiheit und Einkommen
  Die Demographie-Krise in Deutschland
  Teure Einwanderer?
  Abschließende Betrachtung und Ausblick
 



Der Kondratieff-Zyklus

Zum Verständnis der Zykluslängen möchte ich hier etwas Grundsätzliches beitragen: Der längste aller Börsenzyklen ist mit rund 70 Jahren der Kondratieff-Zyklus. Es ist meiner Ansicht nach ein marktwirtschaftlicher Zyklus mit einem zunächst exponentiell ansteigenden Wirtschaftswachstum. Da "die Bäume nicht in den Himmel wachsen", fällt das reale Wachstum während etwa der letzten 18 Jahre auf ein extrem tiefes Niveau zurück, von dem aus das Wachstum erneut beginnen kann. Der laufende "Kondratieff", der im Nachkriegsjahr 1946 begann, teilt sich in 2 mal 8 Konjunkturzyklen auf, die jeweils etwa 4,3 Jahre andauern. Kondratieff, der seinen Zyklus mit Erfindungsepochen erklärte, wurde von Stalin umgebracht, weil es eine falsche Lehre sei und im Kommunismus nur ein stetiges Wirtschaftswachstum geben könne. Die Konjunkturzyklen teilen sich abermals in Unterzyklen auf, die sich aus mehreren, bis zu etwa 21 Börsentage langen Zyklen des Börsengeschehens zusammensetzen. Auch sie teilen sich in "kleine Unterzyklen" von jeweils wenigen Tagen auf. Das setzt sich bis zur "Stundenzyklik" hinab fort. Jeweils 2, 3, 5, 8 u.s.w.... Zyklen passen bis zum "Kondratieff" in einen übergeordneten Zyklus hinein. Das ist der Kern meiner Fibonacci-Börsenzyklik.


“Goldman Sachs - “Eine Bank lenkt die Welt”

Im letzten Brief erwähnte ich, dass Goldman Sachs das Drehbuch zum EU-Rettungsschirm schreiben ließ. Am 4.9.12 zeigte ARTE die Dokumentation "Goldman Sachs - Eine Bank lenkt die Welt". Goldman Sachs half, etliche Milliarden griechischer Staatsschulden jahrelang zu verstecken. Nur diese Bilanzverfälschung ermöglichte Griechenland den Beitritt zur EU-Währungsunion, an billige Zinssätze heranzukommen und sich weiter hoch zu verschulden. Von den EU-Hilfsgeldern floss aber nur ein Teil an Griechenland, was für Goldman Sachs zum Riesen-Reibach wurde. In dem Bericht hieß es, dass Mario Monti, jetzt Ministerpräsident Italiens, zuvor bei Goldman Sachs war. Und der Deutschlandchef dieser Großbank ist Berater unserer Bundeskanzlerin. Mario Draghi, früher ebenfalls bei Goldman Sachs, ist der jetzige Chef der EZB. Er setzte durch, dass entgegen dem Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB anderen EU-Ländern weitere hunderte Milliarden zukommen. Der ARTE-Film berichtete auch, wie Goldman-Sachs die erste Finanzkrise mit dem Abacus-Projekt auslöste. Dazu wurden wertlose US-Hypotheken mit einem AAA-Rating "verbrieft" und zum Beispiel der deutschen IKB angedreht. Gleichzeitig wettete Goldman Sachs auf deren Totalverlust. Auch unter "Wikipedia, Goldman Sachs, Kritik" ist das nachzulesen.

 
“Der Weltgeldbetrug”

Gemäß Professor Dr. Hamer, Mittelstandsinstitut Hannover, führte die Jahrzehnte lange ungehemmte Geldvermehrung der US-Notenbank zu einem Kaufrausch der Finanzoligarchie und zu einem immer wertloser werdenden Papiergeld-Dollar. Seine 2004 erschienene Schrift trägt den Titel “Der Weltgeldbetrug”. Unter diesem Suchbegriff listet das Internet-Suchportal Google mittlerweile 1450 Hinweise auf. Hamer ermittelte, dass nur mit Hilfe einer langfristigen Goldpreismanipulation sich der Verfall des Dollars verdecken ließ. Wird das offensichtlich, stünde eine weltweite Währungsreform bevor. Wir fügen aus heutiger Sicht hinzu: Als weitere Folgen ergeben sich: Weit übertriebene Aktienkurse, zu tief gefallene Kapitalmarktzinsen und eine äußerst gefährliche Immobilienblase, einmalig in der bisherigen Geschichte.


Zur Goldpreismanipulatio
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Beim Gold erschienen anlässlich zyklischer Hochpunkte in den Medien meist auf den Tag genau plazierte Meldungen über geplante Goldverkäufe der Notenbanken. Hierzu muss man wissen, dass der Kurs mit dem geringsten Aufwand, lediglich mit solchen Nachrichten in den maßgebenden Medien, manipuliert wird. Das Gold verläuft aufgrund dieser präzisen Markteingriffe überraschend zuverlässig gemäß unserer Fibonacci-Systematik. In unserem Börsenbrief vom 28.11.05 sagten wir (inzwischen können wir den Termin präzisieren) einen Goldpreisanstieg  bis auf über 3000 Dollar pro Feinunze voraus.
Die FAZ vom 19.01.11, S. 18, zitiert den Wall-Street-Analysten Marc Faber: "Der US-Aktienmarkt sei seit dem Jahr 1999 um 80 Prozent gefallen, wenn man die Entwicklung der Indizes nicht in Dollar, sondern in Gold berechne."


Stichwort “Naher Osten”

Im Jahr 1973 wurde die “Ölwaffe” erfunden, mit der gedroht werden sollte, “solange sich die Israelis nicht aus den besetzten Gebieten zurückzögen” ( “Der Spiegel” 39/2000, S. 119). Die dadurch ausgelöste erste Ölkrise führte zum Börsenabsturz vom Herbst 1974. Ab Januar 1999 verdreifachte sich der Erdölpreis im Rahmen der zweiten Ölkrise und 2004 begann die dritte.
Einer der wichtigsten Auslöser dieser Dauerkrise dürfte der im Jahr 1996 von den “Neokonservativen” aufgestellte Plan zur Neuordnung Arabiens von Richard Perle (später Chefberater des Pentagons) und dem damaligen israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu sein (siehe “Die Ursachen und die Folgen des Irakkriegs”). Das erklärt, weshalb bisher die Palästina betreffenden UN- Resolutionen von Israel nicht erfüllt wurden und dort die Menschenrechte und das Völkerrecht nicht gelten. Der Plan zur Neuordnung Arabiens führte  zum Irakkrieg, der gemäß der Fernsehsendung “Kontraste” des ZDF vom 01.04.08 Gesamtkosten in Höhe von sage und schreibe 6 Billionen Dollar verursachte, die auf Kosten der Geldwertstabilität mit Hilfe der Gelddruckerpresse hergestellt wurden. Gäbe es einen goldgedeckten Dollar, wären der Irakkrieg und die Auswüchse am Kapitalmarkt nicht finanzierbar gewesen.
Ab Mitte 2005 spitzte sich der Konflikt zu, weil der Iran die Weiterentwicklung seiner Atomtechnik beenden soll und Israel dieses Verlangen mit massiven Drohungen unterstützt. Und Ende Oktober 2005 rief der iranische Präsident zur Vernichtung Israels auf. Hierzu ist anzumerken, dass im Nahen Osten seit ewigen Zeiten der extrem kontraproduktive Grundsatz “Auge um Auge, Zahn um Zahn” gilt. Demzufolge eskaliert dieser Unruheherd immer mehr.



Die Zyklik hilft, Kleinanleger abzukassieren,
weil sie stets glauben, der Trend würde sich fortsetzen.

Die Zyklen an der Börse - damit ist das kurz-, mittel- und langfristige Auf und Ab der Kurse gemeint - entstehen durch das Verhalten der einem Herdentrieb folgenden Anleger: Dem liegt das uralte Prinzip zu Grunde, Geld in die Börse zu pumpen, damit die Kurse in die Höhe zu treiben und die investierten Mittel nach gestiegenen Kursen wieder mit Gewinn abzuziehen. Wer zuerst abzieht, gewinnt. Großanleger können hierzu riesige Beträge einsetzen und mit Hilfe der Medien den Herdentrieb der Anleger beeinflussen. Die Großanleger gewinnen natürlich zu Lasten der stets hinterher laufenden übrigen Anleger.
 
Das Börsengeschehen wird erfahrungsgemäß von der Großspekulation anlässlich zyklisch bedingter Hoch- und Tiefpunkte mit dem geringsten Aufwand manipuliert, was natürlich die Zyklik und deren Kursausschläge wesentlich verstärkt. Zum Beispiel ist es üblich, zum Zwecke einer Abwärtsmanipulation anlässlich eines zyklisch bedingten Kurshochs des Goldpreises eine Meldung “die Notenbank in London verkauft 20 Tonnen Gold” zu veröffentlichen. Interessanterweise beteiligen sich an dieser bewussten Irreführung der Kleinanleger stets alle maßgebenden Medien. Und die Kleinanleger fallen auch immer wieder auf solche breit gestreuten Zwecknachrichten herein, weil sie nicht wissen, dass an der COMEX täglich ein Mehrfaches von 20 Tonnen Gold gehandelt wird.

Ohne Manipulation wäre das Börsengeschehen völlig uninteressant und die Börsenindizes würden sich in etwa so verhalten wie die Zuwachsraten des Bruttosozialproduktes. Die Großspekulation hätte keine Arbeitsgrundlage und es gäbe nicht die den Mittelstand beseitigende Vermögenskonzentration mit Hilfe einer “Wertpapierindustrie”.

Wer als Anleger am Börsengeschehen gewinnen will, hat deshalb nur eine Chance, wenn er den Vorhaben der Großspekulation folgt. Diese Vorhaben sind zwecks Minimierung des Aufwands auf die Börsenzyklik abgestimmt und bringen deshalb die Zyklik erst voll zur Wirkung. Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse unseres hier ausführlich beschriebenen Know - how.

Kurzfristigen Tradern hilft unsere Erkenntnis, mit Hilfe der Beobachtung des Put/Call-Verhältnisses der Dax-Optionen das Risiko zu verringern: Da Optionen im Schnitt zu mehr als 85 Prozent wertlos verfallen, ist dieses üblicherweise von der Kleinspekulation bestimmte Verhältnis ein idealer Kontraindikator. Besonders am Ende von Kursbewegungen erreicht das Put/Call-Verhältnis Extremwerte. Ob Großanleger im Spiel sind, die den Kontraindikator ins Gegenteil verkehren, zeigt eine viertelstündige Beobachtung der Zahlenwerte (siehe Lesermeinungen unter dem 22.03.00 Put/Call-Verhältnis der Dax-Optionen. Eine 15-Minuten-Statistik des Put/Call-Verhältnisses der Dax-Optionen ist unter Lesermeinungen, im Beitrag vom 24.04.01, als Link zu finden). Normalerweise beteiligen sich am Markt der Dax - Optionen keine Großanleger. Denn er wurde installiert, um den Kleinanlegern eine Spekulationsmöglichkeit zu bieten - aber auch, um sie abkassieren zu können, weil die Kleinanleger immer wieder auf Desinformationen hereinfallen.

Es gibt Manipulationen des Dax durch Großanleger, von zum Beispiel im Umfang von 300 Dax - Punkten innerhalb von zwei Tagen (siehe unter Lesermeinungen den Beitrag vom 27.12.00 “Wolfgang Bogen / Börsenbrief”), denen auffallende Großpositionen von zum Beispiel insgesamt 30.000 Stück Calls an der Deutschen Terminbörse an einem Tag vorausgehen und die das Put/Call-Verhältnis zum zuverlässigen Indikator werden lassen. Dabei kann unter Banken, also außerhalb der Terminbörse, ein Vielfaches derartiger Optionen umgehen. Die an die Terminbörse gebrachten Optionen dienen lediglich dazu, den marktgängigen Kurs festzustellen, zu dem das “interne” Geschäft abzuwickeln ist. In unserem Börsenbrief vom 19. März 2001 beschrieben wir eine derartige Manipulation mit Hilfe von Put-Positionen in der Größenordnung von einigen 10.000 Stück, die die Börsenkapitalisierung der Deutschen Börse vom 13. März 11:00 Uhr bis zum 14. März 14:30 Uhr um 50 Mrd. Euro und den Dax um 340 Punkte hinunterdrückte und meinten dazu ”dass die Börsenaufsicht solche Großmanipulationen  hinnimmt, ist bezeichnend”. Siehe auch unter “Leser-Meinungen” 07.12.01: Großposition.
Ein Hinweis auf das Put/Call-Verhältnis am US-Aktienmarkt der CBOE (Chicago Board Options Exchange), ebenfalls ein idealer Kontraindikator (sofern Kleinanleger das Feld beherrschen), ist unserer Seite “Leser-Meinungen” unter dem 29.01.01 zu entnehmen.
Es ist üblich, dass kurz vor den Optionsterminen Optionen aus Angst vor Verlusten auf den Markt geworfen werden. In der Hausse sind es meist Calls und in der Baisse überwiegend Puts. Insider, insbesondere die Schreiber der Optionen, nutzen dies und beeinflussen die Aktienmärkte anlässlich der Optionstermine in ihrem Sinn. Die so entstehenden Kursbewegungen sind typisch für eine gewisse Zyklik.
Die “großen” Optionstermine, an denen die Futurekurse auslaufen, liegen jeweils rund 13 Wochen auseinander. Die Zahl 13 ist eine Fibonacci-Zahl, so dass insbesondere beim Dow-Jones-Index des US-Aktienmarktes, eine Fibonacci-Wochen-Systematik zu beobachten ist.
Sehr hilfreich ist es, am US-Aktienmarkt das long/short-Verhältnis, zum Beispiel beim S&P-Index, hinsichtlich der Kleinspekulanten und der Großanleger zu verfolgen (siehe dazu unter Leser-Meinungen die beiden Einträge vom 2. und 3.11.00 “Open Interest Summary”). Die Großanleger liegen, weil sie “den Markt machen”, fast immer richtig. Dagegen disponieren die Kleinanleger, deren Meinung sich an Hand der manipulierten Medien ausrichtet, meist falsch. Insbesondere wird der weiter unten beschriebene Zyklus der Großspekulation durch eine längerfristige Beobachtung des long/short-Verhaltens dieser Anlegergruppe im Verhältnis zu den falsch liegenden Kleinanlegern deutlich, weil üblicherweise dem normalen Anleger jene Hintergründe des Börsengeschehens verschlossen bleiben.
Ferner muss man wissen, wie das Kettenbriefsystem der Wall-Street- Wertpapierindustrie (so der Großspekulant Warren Buffett) funktioniert: Gemäß dem seinerzeitigen Chef der amerikanischen Wertpapieraufsicht SEC, Arthur Levitt, lauten nicht einmal ein Prozent aller Aktienempfehlungen, die die Analysten der großen Wall-Street-Häuser abgeben, auf  “Verkaufen” (FAZ 14.04.00, S. 25/27). In welchem Ausmaß an der Wall-Street manipuliert wird, geht auch aus der FAZ vom 28.09.00, S. 32, hervor: “In nur 0,6 Prozent von rund 28.000 vorliegenden Analystenberichten wird der Verkauf einer Aktie nahegelegt.”

Ein Trick zur Kursmanipulation besteht zum Beispiel auch darin, dass ein Unternehmen die eigenen Aktien aufkauft. Damit wird die Anzahl der umlaufenden Aktien  verringert und der Gewinn pro Aktie steigt, obwohl der Gewinn in absoluten Zahlen gar nicht zugenommen hat.
Das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Harald Petersen, meinte gemäß der FAZ vom 30.03.01, S. 25: ”In Deutschland werde man derzeit in einem Spielkasino stärker vor kriminellen Machenschaften geschützt als an der Börse”.

Am 30.06.01 schrieb die FAZ auf Seite 25 unter “Auf Knopfdruck die Anleger abgefischt” über Kursmanipulationen. Sie sind unter den Namen “Pre-arranged orders”, “Wash-Sale”, “Crossing”, “Matched orders” als Abzockerei der Anleger nach immer demselben Muster bekannt: Durch Scheingeschäfte soll der Eindruck erweckt werden, mit dem entsprechenden Wertpapier fände ein reger Handel statt. Auch “Scalping”, “ Frontrunning” oder “Phantom-Orders” seien dazu üblich. Einige weitere Fachbegriffe zum Kursbetrug sind “Painting the Tape” und “Advancing the bid”. Der Vizepräsident  des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, Georg Dreyling, sagte dazu, “für Kursmanipulationen wurden ungeahnte Betätigungsmöglichkeiten eröffnet”. Vor dem Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt berichtete Dreyling von manchem Basiswert, der wie festgenagelt erschien, je näher der Verfallstag für einen Optionsschein rücke” - nur damit die Anleger nicht an ihr Geld kämen. Nicht erwähnt wurden in dem FAZ-Artikel die Großmanipulationen mit 10.000 und mehr Dax-Optionen. Mit ihrer Hilfe wird, meist in Phasen mit geringer Volatilität beginnend, der Dax innerhalb weniger Tage um etwa 300 Punkte gezielt  nach oben oder unten gesteuert, um ein Heer von Anlegern rücksichtslos abzukassieren. Diese Markteingriffe beobachten wir mit besonderem Interesse, weil sie dem Leser unseres Börsenbriefs besondere Gewinnmöglichkeiten bieten.

Zum Thema “Kursmanipulation”: Der Technische Fortschritt ermöglichte wenige Jahre später den sogenannten “Hochfrequenzhandel” und damit  neue Betrugsmöglichkeiten.  Am 6. Mai 2010 stürzte der Dow-Jones-Index im Rahmen eines “Flash-Crashs” innerhalb von nur wenigen Stunden um 10 Prozent ab. Denn ein betrügerischer Händler gab während dieses Zeitraumes riesige Scheinaufträge ab, die er jeweils in Sekundenbruchteilen zurücknahm.  Er gewann mit dieser Methode des “Spoofing” innerhalb weniger Jahre 40 Millionen Dollar.  Hunderte von “Blitzhändlern” stiegen dann in dieses Geschäft ein, wie die FAZ vom 23. April 2015 auf Seite 23 berichtete. Erst Jahre später kam die US-Börsenaufsicht dahinter. Dies zu unterbinden, ist aber praktisch nicht mehr möglich.

Eine Eigenart unseres Börsenbriefs besteht darin, dass wir unsere Prognosen an Hand unseres Know-how umfassend begründen. Deshalb sind unsere Prognosen nachvollziehbar.
Obwohl unser Börsenbrief nur wöchentlich erscheint, ist er auch für Daytrader hilfreich, die die kurzfristige Zyklik nach gewisser Einarbeit selbst weiter verfolgen können. Wir wollen dabei helfen, die Zyklen “abzureiten”, denn ab dem Beginn eines Zyklus steigen die Kurse, und vom Zyklusgipfel fallen sie bis zum Zyklusende. Dies bringt den Vorteil, dass der Daytrader nicht täglich engagiert ist, sondern nur auf wenigen Strecken, die von extremen Put/Call - Verhältnissen eingeleitet werden..



Ein ca. 70 Jahre langer Zyklus der Großspekulation
und eigene Erfahrungen des Verfassers


Entscheidendes Börsen-Know-how gewannen wir durch eine Beobachtung der langfristigen Zyklik, die mit dem steilen Kursverfall des US-Aktienmarktes ab dem Jahr 1929 bis 1932 begann:
 
Der Nobelpreisträger Prof. Milton Friedman schrieb dazu in “Chancen die ich meine” (Ullstein 1980), auf den Seiten 95-99, “10.000 Banken verschwanden von der Bildfläche”, was “einen monitären Zusammenbruch sondergleichen” nach sich zog.
 
Während des Zusammenbruchs von 1932 setzte in den USA mit dem “New Deal” eine Zeitenwende ein. Unserer Meinung nach war der “New Deal” in langfristiger Hinsicht kontraproduktiv, denn letztendlich dürfte das Gegenteil des angestrebten Effektes mit der Folge eines weiteren noch tiefgreifenderen Zusammenbruchs eintreten. Eine der wichtigsten Merkmale des “New Deal” war die Anerkennung der Gewerkschaften, um mit ihrer Hilfe die seinerzeitige  Deflation zu überwinden. Es entstand aber eine mehr oder weniger moderate Dauerinflation mit einem über der Inflationsrate liegenden Zentralbankzinssatz, der langfristig zur exponentiell ansteigenden Verschuldung des Staates, der kleinen und mittleren Unternehmen und zu explodierenden Vermögen bei den die Verschuldung finanzierenden Geldgebern führte. Darüber hinaus führte eine ausufernde Gewerkschaftsmacht in den USA und in Großbritannien zu schweren Wirtschaftskrisen (die englische Krankheit), die erst Ronald Reagan und Margret Thatcher durch Beschneidung der Gewerkschaftsrechte beenden konnten, während in Deutschland das “Wirtschaftswunder” der 60er und 70er Jahre regelrecht abgewürgt wurde und es dadurch zu einer das Sozialsystem zerstörenden immer mehr anwachsenden Massenarbeitslosigkeit kam.

Ab etwa dem Jahr 1990 entstand aufgrund der exponentiellen Geldmengenvermehrung durch den Zinseszinseffekt in den westlichen Industriestaaten ohne entsprechende Steigerung des Bruttosozialproduktes eine Übertreibungsphase der Börsenkurse. Dies wurde begleitet von einer breit angelegten Manipulation der maßgebenden Medien, und besonders in Deutschland, von massiven Subventionen rückständiger Wirtschaftsbereiche, und konfiskatorischen Steuern und Abgaben. Zuletzt kam die Erfindung des Shareholder-Value hinzu und die Einführung von Aktienoptionen als Bestandteil der Managergehälter - alles eindeutig kontraproduktive Maßnahmen. Auf dem Höhepunkt der damit ausgelösten irrealen Gewinnerwartungen, mit denen eine steile Kurs- und Kreditexpansion bis zum Höhepunkt der Aktienkurse im Jahr 2000 einherging, startete eine “Death Spiral” fallender Kurse. Sie bewirkt eine Konsumstagnation, was weiter fallende Kurse zur Folge hat, an deren Ende Deflation und Depression sowie eine Weltwirtschaftskrise und  eine neue Zeitenwende zu erwarten sind.

Das Prinzip des Shareholder-Value führt gemäß eines Artikels der FAZ vom 25.06.01, S. 29, “Gestörtes Leistungsklima . . .” dazu, dass sich die Mitarbeiter nicht mehr mit ihrem Betrieb identifizieren, was eine Erosion der inneren Leistungsbereitschaft bewirkt. Solche Fehlentwicklungen aller Art werden dann nicht mehr finanzierbar und durch eine äußerst schmerzhafte Selbstheilungskrise beseitigt.
 
Das Buch “Bankrott 95” (Harry E. Figgie und Gerald J. Swanson, Ullstein 1993) zeigt, wie es kommen kann: Wer in der Hoffnung auf einen auskömmlichen Lebensabend während seiner Berufstätigkeit Aktien sparte, der fühlt sich um seine Existenzgrundlage betrogen. Das Buch trägt den Untertitel: “Die Schuldenkatastrophe der USA und das Ende des >American way of life<”. Welche  weiteren Auswirkungen eine solche Zeitenwende haben kann, beschreibt Ramon Bennett in “Wenn Tag und Nacht vergehen” (Chr. Kommunikation und Verlagsgesellschaft, Lübeck) auf der Seite 116: “Wenn die Wirtschaft der Vereinigten Staaten zusammenbricht”, und weiter, “welche Kreise dafür verantwortlich gemacht werden”. Im Jahr 1992 erschien die israelische Originalausgabe dieses Buches.

Hinter dem Zusammenbruch des US-Aktienmarktes ab dem Jahr 1929 und der Langzeitkursspitze des Jahres 2000 verbirgt sich unserer Ansicht nach ein rund 70 Jahre langer Zyklus der Großspekulation. Sie ist in der Hausse “long”, in der Baisse “short” und gewinnt im Grunde immer und zwar um so mehr, je ausgeprägter die Hausse und die anschließende Depression sind.

Selbst eine Bankenkrise wie Anfang der 30er Jahre lohnt sich in diesem Sinne, denn die betroffenen Banken können in solchen Zeiten einschließlich der ihnen übereigneten Sicherheiten spottbillig aufgekauft werden. So entsteht eine extrem ungleichmäßige Vermögensverteilung: Die großen Vermögen und der Einfluss ihrer Besitzer nehmen immer mehr zu, während die Verschuldung des Staates, der Unternehmen und der privaten Haushalte unermessliche Höhen erreicht (siehe Leser-Meinungen: Eintrag unter dem 09.02.01 mit zwei Quellen zum Thema Vermögenskonzentration  in Deutschland). Die Zahl der verschuldeten Privathaushalte wird vom Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen auf 2,8 Millionen geschätzt. Und nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich in Deutschland die Zahl der Haushalte ohne Vermögen gegenüber 1993 mehr als verdoppelt (FAZ 28.06.01, S.16). Andererseits hinterlassen gemäß der FAZ vom 12.3.01, S. 21, 0,1 % (in Worten: Nullkommaeins Prozent) der Verstorbenen in den USA ein Vermögen im Wert von mehr als 5 Millionen Dollar.

Normalerweise produziert die Marktwirtschaft Wohlstand, von dem alle profitieren. Der Zyklus der Großspekulation kehrt diesen Grundsatz zunächst unbemerkt ins Gegenteil um, höhlt die Marktwirtschaft aus, zerstört den Mittelstand und führt am Ende des Abschwungs  mit der Vernichtung vieler Vermögen zur Depression und zur Massenarbeitslosigkeit.

Was bei uns die Vermögenskonzentration  im Laufe der Jahrzehnte bewirkte, wird an Hand des Anstiegs der Arbeitslosigkeit und deren Folgen deutlich: Der nach dem Kriege im Rahmen der “Wirtschaftswunderjahre” aufstrebende Mittelstand verringerte die Arbeitslosigkeit im damaligen Westdeutschland bis zum Jahr 1968 auf 134.000. Damals herrschten im Geiste von Ludwig Erhard äußerst wirtschaftsfreundliche Bedingungen. Dazu gehörten zum Beispiel sich zurückhaltende Gewerkschaften und eine Umsatzsteuer von lediglich 3 Prozent. Vom unternehmerischen Gewinn blieb nach Steuern und Abgaben so viel übrig, dass damit der erforderliche Anstieg des Eigenkapitals der schnell wachsenden mittelständischen Unternehmen finanziert werden konnte.

Aufgrund der etwa ab 1968 entstandenen Vermögenskonzentration gewannen Verbände aller Art, die Großindustrie und die Gewerkschaften immer mehr Einfluss auf die Politik, während der Mittelstand und die Kleinunternehmer verloren. Und die Gewerkschaften durften mit Hilfe dieser Politik ihre Forderungen im öffentlichen Dienst und in der Großindustrie durchsetzen, ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit kleinerer Betriebe. Im gleichen Maße kletterte die Arbeitslosigkeit bis zum Jahr 2000 auf rund vier Millionen (Empfänger von Arbeitslosenhilfe) zuzüglich weiterer etwa zwei Millionen Arbeitssuchender. Hätten wir ferner nicht 2,8 Millionen Frührentner, würde die Arbeitslosigkeit entsprechend höher ausfallen. Addiert man diese drei Positionen, zeigt sich, dass in Deutschland rund 8,8 Millionen Arbeitsplätze fehlen.
  
Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren und wegen eigener Kinder in eine finanzielle Benachteiligung zu geraten, sank ab dem Jahr 1968 die Geburtenrate drastisch. Der Wegfall der Arbeitsplätze bei sinkender Geburtenrate zog eine Reihe neuer Problemfelder nach sich, wodurch eine ruinöse und damit das Wirtschaftswachtum erdrosselnde Kosten-, Steuer- und Abgabenbelastung entstanden ist. Die Höhe dieser konfiskatorischen Belastung verdeutlicht das Beispiel eines Handwerkers, der sechs Stunden arbeiten muss, um als Kunde eine Handwerkerstunde bezahlen zu können.

Vom Bund der Steuerzahler wurde mitgeteilt, dass die Bürger von einer verdienten DM nur noch 45 Pfennig erhalten. Von den Abgaben in Höhe von 55,2 Prozent entfallen 32,4 Prozent auf die Steuerlastquote und 22,8 Prozent auf die Soziallastquote. Und im Jahr 1960 habe die Belastung der Bürger mit Steuern und Abgaben noch 41,5 Prozent betragen.

Ein anderes Beispiel zeigt, wie es einem Gründungsunternehmer geht, der mit der üblichen zulässigen Verspätung dem Finanzamt eine Bilanz mit 100.000 Euro Gewinn einreicht: Er muss nicht nur rund 70.000 Euro einkommensabhängige Steuern nachzahlen, sondern für das laufende Jahr weitere 70.000 Euro vorauszahlen. Nur weil er den “Fehler” machte, einen Gewinn von Euro 100.000 auszuweisen, sind 140.000 Euro fällig. Diese Mittel sind aber in den Außenständen, im Lager und im Anlagevermögen versickert. Oft bedeutet das schon die Pleite für den Unternehmer.


Eigene Erfahrungen des Verfassers als
Erfinder-Unternehmer


Der Verfasser schreibt dies aus eigener Erfahrung: Er baute aus allerkleinsten Anfängen heraus ab dem Jahr 1952 in den Wirtschaftswunderjahren mit einem Dutzend eigener Patente ein mittelständisches Unternehmen auf, das sich  mit der Produktion von Magnetköpfen für die magnetische Aufzeichnungstechnik  befasste. Sie waren unter dem Begriff “hochwertige BOGEN-Magnetköpfe”, z. B. in “UHER-Tonbandgeräten” , “EUMIG-Schmalfilmprojektoren” und in der Tonfilmtechnik bekannt.

Einen umfassenden Einblick in das frühere Unternehmen des Verfassers zum Zeitpunkt der 60iger Jahre gibt diese Internetadresse:
 http://www.magnetbandmuseum.info/die-firma-bogen-1968.htmlInternetadresse

Angesichts der hohen Abgaben- und Steuerbelastung wäre heutzutage ein solcher Unternehmenserfolg ausgeschlossen: Denn bei den im Hochtechnologiesektor gebündelten Risiken vieler Produktneuentwicklungen, der Markteinführung  neuer Produkte und den bei derartigen Zulieferprodukten besonders ausgeprägten konjunkturbedingten Schwankungen der Auftragslage, wären heutzutage nicht mehr, wie damals geschehen, 20 - 25 % des Umsatzes in die Entwicklung neuer Produkte investierbar.

Der freigestellte Betriebsratsvorsitzende war übrigens der Meinung, wer sich unternehmerisch betätige, sei zwangsläufig ein Sozialschädling. Allein diese destruktive Auffassung belegt, in welchem Sinne die Gewerkschaften ihre Leute schulte, um erfolgreiche Unternehmen mit Hilfe der Zersetzung des Betriebsfriedens zu ruinieren. Das deutsche Wirtschaftswunder musste offensichtlich beendet werden. Als weitere Maßnahme zur Erreichung dieses Ziels wurde eine Erhöhung der Arbeitskosten, weit über das internationale Niveau hinaus, betrieben. Seitdem ging es in Deutschland mit der Zuwachsrate des Bruttosozialproduktes, die damals durchschnittlich rund 8 % betrug, kontinuierlich hinunter. Im Jahr 2004 dürfte es nur noch bei rund 1 % liegen.

In den 70er Jahren war ich stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Berliner Elektroindustrie. Dort erfuhr ich, dass innerhalb von nur zwei Jahren 100 000 in Niedriglohngruppen beschäftigte Mitarbeiter arbeitslos wurden, weil die zuständige Gewerkschaft die unteren Lohngruppen abschaffte. Die so produzierten Erzeugnisse  verschwanden aus dem Lieferprogramm, und was in großen Stückzahlen gefragt war, wurde künftig mit hohem Investitionsaufwand maschinell gefertigt. Und die japanische Elektroindustrie gewann einen riesigen Wettbewerbsvorteil.

Unter solchen Bedingungen einer mittelstandsfeindlichen Politik, die im Rahmen der Globalisierung ab 1968 nach und nach durchgesetzt wurde, ist es unmöglich, aus versteuerten Gewinnen das Eigenkapital dem Unternehmenswachstum anzupassen, während Fremdkapital oft ruinös wirkt - einer der Hauptgründe dafür, dass viele neu gegründete Unternehmen zwangsläufig scheitern und die Massenarbeitslosigkeit derart hoch ist.

 
Diese Beispiele gehören zum Thema “Zyklus der Großspekulation”, weil die von ihr bewirkte Vermögenskonzentration in allen Einflussbereichen dieser Vermögen zu Machtzusammenballungen und zu marktwidrigen Machtkartellen führte. Die Unternehmen und Verbände schlossen sich, um überleben zu können, zu immer größeren Einheiten zusammen und auch die Gewerkschaften folgten diesem Trend. Der Mittelstand, der mehr Arbeitsplätze als die Großunternehmen bereitstellt, bleibt dabei auf der Strecke. Folglich nimmt die Arbeitslosigkeit stetig zu.

Allgemein wird die Ansicht verbreitet, Krisen würden die ungleiche Vermögensverteilung bereinigen. Dies ist eine Desinformation, denn die Großspekulation erwirbt gerade in der Krise fast wertlos gewordene Vermögen, die in der nächsten Hausse wertvoll werden. Aus dieser Sicht sind Krisen der Großspekulation äußerst willkommen, denn sie lassen sich in längerfristiger Hinsicht zur weiteren Vermögenskonzentration nutzen. (siehe Leser-Meinungen: Eintrag unter dem 17.01.01 “Ein Blick hinter die Kulissen). Die Vermögenskonzentration wird nur dann aufgehoben, wenn die bevorstehende Krise auch zu einer Zeitenwende führt.

Dieser Zyklus der Großspekulation, vom Hoch des  inflationsbereinigten Dow des Jahres 1929 (siehe: Dow-Chart mit eingerechneter Inflation) bis zum Hoch im Jahr 2000, teilte sich in zwei ca. 35 Jahre lange Zyklen von Hoch zu Hoch auf, bei denen es jeweils ca. 17,5 Jahre abwärts und anschließend etwa ebenso lang aufwärts ging. Der durch den Abschwung des Dow nach dem Hoch von 1929 entstandene Aktienkursverlust war inflationsbereinigt jedoch erst nach 62 Jahren aufgeholt. Demnach  besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass der Dow und der Dax ab dem Langzeitkursgipfel im Jahr 2000 inflationsbereinigt etwa bis zum Jahr 2017 fallen.

Auf unserer Seite “Leser-Meinungen” ist unter dem 09.07.01 eine Grafik Dollar Trading Volume vs. GDP” zu finden, die den 70 Jahre langen Zyklus der Großspekulation aus anderer Sicht exakt bestätigt. Dort schreiben wir in einer Anmerkung: “Gemäß der Grafik betragen in “normalen Zeiten” die Aktienumsätze 10 bis 20 % des Bruttosozialproduktes. Im Jahr 1929 waren es ca. 140 %, und im Jahr 2000 stieg die Aktienmanie sogar auf etwa 320 Prozent des Bruttosozialproduktes. An Hand der Grafik lässt sich eine Prognose ableiten: Im Jahr 2000 übertrafen die auf das Bruttosozialprodukt bezogenen Börsenumsätze die des Jahres 1929 um mehr als das Doppelte.
Da sich somit im Jahr 2000 eine mehr als doppelt so hohe spekulative Überhitzung ergab, ist mit einem Zusammenbruch zu rechnen, der weitaus einschneidender ausfällt als der ab dem Jahr 1929.”

In langfristiger Hinsicht ist ein gemeinsamer Beitrag
 “DAX - Ein 34 Jahreszyklus” von Lesern unseres Börsenbriefes hochinteressant, zu dem wir auf unserer Seite “Leser-Meinungen” unter dem 20.08.01 Stellung nehmen und der von dort aus aufrufbar ist. Wir schrieben dazu: Dem ist hinzuzufügen, dass ab dem Tief des Dow-Jones-Index im Jahr 1932 bis zum Kursgipfel im Jahr 2000 zwei mal 34 Jahre vergingen. Derartige Zyklen vom Tief zum Hoch, die im Gegensatz zur üblichen Tief-zu-Tief-Zyklik stehen, sind wie folgt erklärbar: Bei einer Überlagerung von Wellen kommt es zu Interferenzen, die zu Additionen bzw. Auslöschungen  führen. Demnach war das Tief von 1932 auf eine Auslöschung zurückzuführen, und das Hoch des Jahres 2000 ist durch eine Addition verschiedener Wellen entstanden. So gesehen ist erst 34 Jahre nach dem Kursgipfel des Jahres 2000 der nächste Kursgipfel zu erwarten.

 
 
Die Zyklik des “american way of life”
 - ein kontraproduktives und deshalb immer wieder in den Abgrund führendes Wirtschaftssystem

Die Jahre des mit Eigenkapital finanzieren Wirtschaftswunders in Deutschland in den 50er und 60er Jahren und die Übertreibungsphase der Aktienmärkte bis zum Jahr 2000 zeigen einen grundlegenden Unterschied: In den von der “Sozialen Marktwirtschaft” Erhards geprägten Wirtschaftswunderjahren entwickelten sich mittelständische Unternehmen steil nach oben, weil die Freude an der Leistung im Vordergrund stand und nicht das von Gier und Machtmissbrauch getriebene Ziel, aus Geld mehr Geld zu machen, wie bei der Spekulation an der Börse. Zufriedenstellende Löhne, Gehälter und Gewinne stellten sich dabei wie von selbst ein, zumal Steuern und Abgaben gering waren und die Gewerkschaften sich zurückhaltend verhielten. Dem deutschen Wirtschaftswunder lagen die aus der Zeit der Preußen überlieferten Prinzipien des “ehrbaren Kaufmanns” und der “uneigennützigen deutschen Wertarbeit” zugrunde, die besonders noch im “Schwabenländle” anzutreffen sind. Sie ergeben sich aus den deutschen Tugenden: Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Ein typischer Vertreter dieser “deutschen Wertarbeit” war Wernher von Braun, den sich die Amerikaner holen mussten, um ihr Vorhaben der Mondlandung verwirklichen zu können (aber in den ersten Berichten darüber zeigten die US - Medien bedenkenlos gefälschte Bilder). Nur diesen deutschen Tugenden ist zu verdanken, dass Deutschland mit der hohen Qualität und Zuverlässigkeit seiner Produkte Exportweltmeister werden konnte. Im Rahmen der Globalisierung gelang es jedoch, die Zuwachsraten des deutschen Bruttosozialproduktes derart zu verringern, das Deutschland in Europa in dieser Hinsicht mittlerweile das Schlusslicht bildet.
 
Bis in die heutige Zeit verfolgt mit Hilfe des Grundsatzes des “ehrbaren Kaufmanns” die Automobilfirma Porsche das Ziel, Sportwagen für besonders anspruchsvolle Kunden zu bauen. Von der Börse gewünschte Vierteljahresberichte lehnt sie mit der Begründung ab, dadurch würden kurzfristiges Denken und geschönte Gewinnausweise gefördert. Und ihren leitenden Angestellten ist es untersagt, mit Porsche-Aktien zu spekulieren.

Im Gegensatz hierzu steht das die Unerfahrenheit anderer rücksichtslos ausnutzende Profitstreben des “american way of life”. Hier verfällt sichtlich die dem früheren Prinzip des ehrbaren Kaufmanns zugrunde liegende Geschäftsmoral und der Konsument unterliegt ständig einer Flut von unerbetener marktschreierischer Werbung, einem “Konsumterror”, mit dem er “ausgenommen” wird. Das alles dient lediglich dazu, um die mit Hilfe von Marktmacht billig eingekaufte Ware möglichst teuer dem Konsumenten anzudrehen. Insbesondere der Kleinanleger an der Börse wird trickreich, heimtückisch und hinterlistig  nach allen Regeln der Kunst übervorteilt.
Den Kern dieser US-Leitkultur beschreibt “Der Spiegel” im Heft 6/2003 auf der Seite 115: “Nimm dir das Glück, auch wenn es das Unglück des anderen ist”. Das Gegenteil dieser kontraproduktiven Leitkultur ist die christliche Auffassung:  “Tue deinem Nächsten nichts an, was du für dich selbst nicht willst”.
Die christliche Auffassung ist die im Rahmen der Globalisierung  bei uns weitgehend verloren gegangene Leitkultur und Geschäftsmoral des ehrbaren Kaufmanns. Sie führte in  Deutschland zum “Wirtschaftswunder” der Nachkriegsjahre und machte unser Land zum Exportweltmeister. Mit deren Umkehr in Richtung der hinterlistigen US-Leitkultur begann eine Ausplünderung Deutschlands, mit der Folge, dass zum Beispiel im Gegensatz zur Schweiz die prozentuale Arbeitslosigkeit dreimal so hoch ist. Wie die Geschäftsmoral verfiel, zeigt die Tatsache, “dass kleinen und mittleren Verdienern  von nur auf den eigenen Vorteil bedachten Bänkern Schrottimmobilien als vermeidliches Steuersparmodell angedreht wurden” (FAZ 17.05.06, S. 13). Deutschland wurde aufgrund des schädlichen Einflusses ehrloser Kaufleute zum Zahlmeister Europas und nur in Deutschland sind die Strom-, Erdgas- und Medikamentenpreise am höchsten. Übrigens verloren die Kleinanleger am Aktienkursabsturz des Dax ab dem Jahr 2000 runde 700 Milliarden Euro. Natürlich wurde verschwiegen, dass diese Mittel lediglich ihren Besitzer wechselten und dass ein Heer von Anlageberatern rechtzeitig vor dem Absturz die wertlos werdenden Papiere dem deutschen Mittelstand ins Auge drücken musste.

In diesem von jeglichen Skrupeln freien Wirtschaftssystem des  “american way of life” steht nicht mehr die Freude an der produktiven Leistung im Vordergrund, sondern der billige Einkauf und der teure Verkauf - mit Hilfe einer auf Einfluss, Korruption und Erpressung aufgebauten Banken-, Markt- und Medienmacht. Dies alles ist aktien- bzw. kreditfinanziert, um das Geschäftsrisiko an die von den Zahlungsausfällen betroffenen Gläubiger bzw. an die dummen Kleinanleger abzuwälzen. Dazu dienen vor allem Kartelle aller Art und ein Lobby-System, das im Falle ENRON Bestechungsgelder an 70 % der Abgeordneten und sogar an den Präsidenten der USA möglich machte. Diese angeblich freie Wirtschaftsordnung zerstört den freien Wettbewerb und vor allem die Produktivität: Angeschlagene Unternehmen werden über die Börse billig aufgekauft, zurechtfrisiert, mit riesigen Schuldenbergen belastet, teuer verkauft und dann geschlossen. Das Schuldenrisiko wird zuvor an Kleinanleger als angeblich lohnende Kapitalanlage abgegeben. Und die Notenbanken sorgen für eine ständige inflationäre Geldentwertung, um das Sparen zu verleiden und unternimmt nichts gegen die exponentiell steigende Billionenverschuldung des Staates und der mit Zinsen und Zinseszinsen gnadenlos abkassierten Marktteilnehmer.
 
Das Ergebnis ist eine heruntergekommene Produktion von Wirtschaftsgütern, ein sich daraus ergebendes Leistungsbilanzdefizit von zwei Milliarden Dollar, weil die nicht mehr produzierbaren Güter im Ausland eingekauft werden müssen und eine gigantische Vermögenskonzentration bei den dies alles finanzierenden Bankiers.

Unter “Ein ca. 70 Jahre langer Zyklus der Großspekulation”  ist nachzulesen, wie die Börsen der Welt manipuliert werden, um in der Hausse und in der Baisse stets zu gewinnen, um damit Abermilliarden Dollar aus allen Ländern, die ein namhaftes Börsengeschehen aufweisen, abzuziehen zu können und um den ehemals vermögenden Mittelstand zu ruinieren.

Der  “american way of life” ist ein kontraproduktives Wirtschaftssystem, in dem das Ziel vorherrscht, Geld mit Geld zu verdienen. Während sich die Masse der Bevölkerung mehr und mehr verschuldet und der zuvor wohlhabende Mittelstand verschwindet, wird  eine kleine Minderheit zu Milliardären. Dieses System führte ferner dazu, dass es kaum noch eine Freude an der Arbeitsleistung gibt. Das ist das Gegenteil der “uneigennützigen Leistung”, die das Wirtschaftswunder in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg kennzeichnete. Dazu gehörten selbstverständlich faire Unternehmensgewinne, und das Ergebnis war ein Wohlstand für alle.

Im  heutigen “american way of life” besitzt dagegen der Berufstätige durchschnittlich 10 Kreditkarten und erledigt nur noch seinen “Job”. Von seinem Einkommen muss er den größten Teil für Zinsen ausgeben, die aber exponentiell immer mehr ansteigen. Daher stürzt dieses Wirtschaftssystem von Zeit zu Zeit mit zyklischer Regelmäßigkeit fast alle ins Unglück. Das System schaukelt sich offensichtlich auf: Denn der Absturz des Dow - Jones - Index von einem im Jahr 2005 zu erwartenden  Aktienmarkt - Nebenhoch (gegenüber dem Kursgipfel des Jahres 2000) dürfte den ab dem Jahr 1929 eingetretenen Niedergang weit übertreffen, so weit, dass der “american way of life” selbst zu Grunde geht.

Der Greifswalder Strafrechtsprofessor Dr. Wolfgang Joecks sagte gemäß der FAZ vom 09.08.02, S. 15: “Die Grenze zwischen Geschäftstüchtigkeit und Betrug ist fließend”. Wie sich zeigt, fördert der “american way of life” die betrügerische Geschäftstüchtigkeit. Die NZZ vom 10.06.03, S.12, schreibt dazu: “Die Selbstbedienungsmentalität in den Chefetagen ist ungebrochen” und fügt hinzu: “Der Multiplikator zwischen dem Durchschnittslohn der Arbeitnehmer und den Einkommen der Manager ist in den letzten 30 Jahren von rund 40 auf fast 420 gestiegen”. Zweifelhafte Bilanzpraktiken sind offensichtlich in den USA kein Betrug, wie die Fülle der geschönten bzw. verfälschten Geschäftsberichte, Statistiken, Produktivitäts-, Wachstums- und Inflationsraten, sowie der daraus resultierenden Großpleiten und Aktienmarktmanipulationen belegen.

Dieses Wirtschaftssystem wurde in abgeschwächter Form im Wege einer vorgezogenen Globalisierung auch bei uns etwa ab 1968 nach und nach unter anziehenden Steuern und Abgaben eingeführt. Dazu schrieb die FAZ vom 06.03.03, S.1: “Einfache Arbeit wurde von den Preiskommissaren in ihren Tarifverhandlungen derart verteuert, dass sie nicht mehr bezahlbar ist”. Folglich stieg unsere Arbeitslosigkeit von 134.000 im Jahr 1968 auf mittlerweile rund fünf Millionen an. Damit wurde Deutschland in den letzten Jahren zum Schlusslicht der Wachstumsraten in Europa.

Man hat den Eindruck, dass der Morgenthauplan, der vorsah, Deutschland nach dem Krieg zu entindustrialisieren, lediglich während der deutschen Wirtschaftswunderjahre ruhte. In dieser Zeit wurden wir wegen der Bedrohung der USA aus der Sowjetunion gebraucht. Außerdem sollte die in Westdeutschland eingeführte soziale Marktwirtschaft Erhards während des “kalten Krieges” ihre haushohe Überlegenheit gegenüber dem Kommunismus der seinerzeitigen DDR dokumentieren. Kaum war jedoch der “kalte Krieg” zu Ende, hieß das Ziel: “Europa zu einer drittrangigen Staatengemeinschaft und abhängig vom Wohlergehen der Vereinigten Staaten zu machen” (Leserbrief FAZ 17.03.04, S.10). Und Newt Gingrich, der ehemalige  Sprecher des US - Repräsentantenhauses, sagte, wie die FAZ vom 03.06.05 auf Seite 6 aktuell berichtete “die USA sollten jetzt nicht weiter versuchen, die Europäer zu schwächen oder arm zu halten”.

Das aus den USA importierte unseriöse Profitstreben löste in Deutschland einen Jahrhundert-Börsenkursanstieg aus. Hierzu wurden beispielsweise mit einer gesteuerten Medienkampagne und einem riesigen Werbeaufwand den unerfahrenen Kleinanlegern so genannte mündelsichere Volksaktien der Deutschen Telekom aufgeschwatzt,  Das sind Papiere, auf denen sich allgemein sorglos eine Altersversicherung aufbauen lässt. Dabei wurde die Deutsche Telekom mit einem Schuldenberg von sage und schreibe 66 Milliarden Euro an die Börse gebracht. Schon der erste Kurs war aufgrund einer geschönten Bewertung der Immobilien und Gewinnerwartungen weit überhöht. Anschließend trieb man den Aktienkurs mit Hilfe einer umfangreichen “Kurspflege” und des Shareholder-Value bis zum 3. März 2000 bis auf 104,9 Euro in eine schwindelnde Höhe. Bei den Mitarbeitern führte dies zu einem gestörten Leistungsklima. Sie identifizierten sich nicht mehr mit ihrem Betrieb, was eine Erosion der inneren Leistungsbereitschaft bewirkte. Obwohl die Deutsche Telekom die höchsten Telefongebühren berechnet, wurden den Aktienkäufern während des daraufhin folgenden Abschwungs der Aktienkurse Verluste von mehreren 100 Milliarden Euro beschert. Bis zum 26. Juni 2002 fiel der Kurs um 92 Prozent bis auf 8,14 Euro - und der Vorstand erhöhte seine Bezüge um 90 Prozent, obwohl immer noch Schulden in Höhe von 67 Milliarden Euro bestanden. Bezeichnend für diese Art der Globalisierung und des damit bei uns im Rahmen des “american way of life” eingeführten “Shareholder - Kapitalismus” ist auch, dass der Goldmann-Sachs-Chef Henry M. Paulson jr. gemäß der “Welt am Sonntag” vom 14.07.02, S. 1, davor warnte, den bis dahin tätigen Vorstandschef der Telekom, Ron Sommer, abzulösen.  Für seine “Leistung” erhielt Ron Sommer zum Abschied noch eine Ablösesumme in Höhe von 12 Millionen Euro, obwohl er selbst kündigte.
 
Das ist ein bitteres Beispiel, wie unerfahrene Anleger auch bei uns durch die “außer Rand und Band geratene Gewinnmaximierungs-Gier von Corporate America”  (Handelsblatt 12.07.02) ausgeplündert wurden. Millionen Anleger, die der Telekom-Werbeaktion für diese “mündelsichere Volksaktie” vertrauten, verloren ihre Altersversorgung. Auch auf Versicherungsgesellschaften, die im großen Stil Telekomaktien in der Nähe ihres Kursgipfels kauften, kamen ähnliche Probleme zu. Sie treffen zum Schluss diejenigen, die aus Gründen der Altersversorgung ein Leben lang in eine Lebensversicherung eingezahlt haben. Übrigens half die Deutsche Telekom auch tüchtig bei der Globalisierung, indem sie die Begriffe CitiCall, CleverCall, GermanCall und GlobalCall einführte, was aber 1999 nach massiven Protesten wieder rückgängig gemacht werden musste.

Dieses System des rücksichtslosen unseriösen Profitstrebens, mit Hilfe des Prinzips aus Geld mehr Geld zu machen, lässt die Freude an der eigenen produktiven Leistung verkommen, weil sie nicht mehr marktgerecht honoriert wird. Die daraus erwachsende Systematik schaukelt sich von Zeit zu Zeit zu einer Aktien- und Immobilienblase, wie in den Aktienkurseuphorien der Jahre 1929 und 2000 auf und führt anschließend zu einem kontrollierten Zusammenbruch.

Falls jedoch der bevorstehende Niedergang unkontrollierbar werden sollte, wofür einiges spricht, geht der Verfall mit einer Pleitenwelle unvorstellbaren Ausmaßes bis zum Verschwinden des “american way of life” weiter.

Um nicht missverstanden zu werden, auch im Mutterland des “american way of life” findet das Profitstreben mit unlauteren Methoden wenig Zustimmung: In Unternehmen, die ihre Mitarbeiter marktgerecht nach Leistung entlohnen, identifizieren sich die Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen und lehnen jeglichen Gewerkschaftseinfluss ab. Deshalb sind solche Unternehmen außergewöhnlich erfolgreich, insbesondere wenn sie auch von ihren Kunden als seriös eingeschätzt werden und sie sich nicht von Fremdkapital abhängig machen. Beispielsweise haben gemäß der FAZ vom 14.07.04, S. 14, die Gründer der Internet - Suchmaschine Google das Unternehmensmotto “Don’t be evel” (“Tue nichts Böses”) ausgerufen. Und: “Auch die Investmentbanken hat Google schon in die Schranken gewiesen”: Denn Goggle  hat den Weg einer Internetauktion gewählt, um an die Börse zu gehen und damit das übliche Bookbuilding-Verfahren der Banken, das den Banken 7 % des Emissionserlöses bringt,  umgangen.

Wie sich in den USA die Verhältnisse wandeln, ist einem Leitartikel der FAZ vom 23.07.02, S.1, zu entnehmen: “Bilanzskandale prominenter Unternehmen um künstlich aufgeblähte Gewinne und vertuschte Verluste haben das Vertrauen der Aktionäre in die Redlichkeit der Unternehmensführer untergraben. . . Notenbankgouverneur Greenspan formulierte, die ‘ansteckende Gier’ einiger Manager hätte das Vertrauen erschüttert.” Dem ist hinzuzufügen, dass dies eines der  typisch kontraproduktiven Merkmale des “american way of life” ist und dass dieses System hieran scheitern dürfte.

Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy schreibt dazu in der FAZ vom 02.10.02 auf Seite 41 in einen lesenswerten Beitrag “Wie man einen Krieg verkauft. Unsere Wut ist grenzenlos: Über den Antiamerikanismus als Ideologie” unter anderem: “Amerika, nach Präsident Bushs Worten die ‘friedfertigste Nation der Welt’, hat in jedem der letzten fünfzig Jahre gegen irgendein Land Krieg geführt.” Und weiter: “Tom Friedman schreibt in seinem Buch ‘The Lexus and the Olive Tree’: Die verborgene Hand des Marktes wird ohne verborgene Faust nicht funktionieren. Ohne McDonnell Douglas kann McDonald’s nicht erfolgreich sein. Die verborgene Faust, die dafür sorgt, dass die High-Tech-Unternehmen von Silicon Valley überall auf der Welt unbehindert florieren können, heißt US-Army, Air Force und Marine Corps.” Der halbseitige FAZ - Beitrag von Arundhati Roy endet mit folgenden Sätzen: “Irgendwann wird dieses mächtige Imperium, wie andere vor ihm, sich übernehmen und implodieren. Schon sind die ersten Risse zu erkennen. Der Krieg gegen den Terror wirft seine Netze immer weiter aus, und das Herz der amerikanischen Konzerne blutet. Eine Welt, die regiert wird von einer Handvoll gieriger Banker und Unternehmenschefs, die niemand gewählt hat, kann unmöglich bestand haben. Der sowjetische Kommunismus ist nicht gescheitert, weil er grundsätzlich böse war, sondern weil er einen Fehler hatte. Zu wenige Leute konnten zuviel Macht an sich reißen. Der amerikanische Kapitalismus des einundzwanzigsten Jahrhunderts wird aus dem gleichen Grund scheitern.

 

Der “Q-Faktor” nach Tobin 
bestätigt einen ca. 70 Jahre langen Zyklus


Die WELT am SONNTAG  vom 11.11.01, S. 78, schrieb unter “Sind US-Aktien zu teuer?” über das historische Kurs/Gewinn-Verhältnis und Tobins Q: “Diese Größe wurde nach James Tobin benannt, der 1981 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt und in den letzten Monaten durch dem Vorschlag der so genannten Tobin-Steuer auf Devisenspekulationen bekannt wurde.” Q bezeichnet das Verhältnis zwischen dem Börsenwert eines Unternehmens und dem Wiederbeschaffungswert des Anlagevermögens. Besonders aufschlussreich ist die auf den US-Aktienmarkt bezogene Grafik des Wertes Q der Jahre 1920 bis 2001, die wir diesem Artikel entnahmen (Quelle: http://www.smithers.co.uk/keydata.shtml ), mit einer von uns nachträglich eingezeichneten Langfristzyklik:

 Q-Faktor

Der Skalenwert 0 bezeichnet den Normalzustand, wenn der Wiederbeschaffungswert des Anlagevermögens dem Börsenwert entspricht.  In den großen Baissejahren 1920, 1949 und 1982 halbierte sich in etwa der Wert Q gegenüber dem Normalzustand des Wiederbeschaffungswertes des Anlagevermögens, während in Zeiten der Aktieneuphorien wie in 1899, 1929, 1966 und 2000 der Börsenkurs das Anlagevermögen weit übertraf (bei 1,0 liegt der Börsenwert 100 % darüber). Demnach lief der “Q-Faktor” während der drei dargestellten Abstürze 21 Jahre, 20 und 16 Jahre lang hinunter. Die drei Erholungsphasen dauerten 9 Jahre, 16 und 19 Jahre. So gesehen kann der Absturz nach dem Kursgipfel in 2001, wenn  man berücksichtigt, dass die Abstürze immer schneller werden, etwa 17 Jahre andauern.

Ein Vergleich der Tief- und Hochpunkte der Grafik kommt zu dem Ergebnis, dass alle Tiefpunkte nahezu auf dem gleichem Niveau von 0,5 lagen. Im Gegensatz dazu folgt einem Übertreibungshoch immer ein gemäßigtes Hoch und umgekehrt. Die hier dargestellten Übertreibungshochs der Jahre 1929 und 2001 lagen 72 Jahre auseinander, während die Tiefpunkte von 1920 und 1982 einen Abstand von 62 Jahren aufwiesen. Im Schnitt sind das 67 Jahre. Auch diese Betrachtung bestätigt den “ca. 70 Jahre langen Zyklus der Großspekulation”.

 

Aktuelle Brennpunkte des 70-Jahres-Zyklus
als fundamentale Hintergründe unseres Börsenbriefes


Absturzphasen an den Aktienmärkten und deren Ursachen beginnen meist unvermutet. Nachfolgend werden einige mögliche Auslöser beschrieben, die sich im Abwärtsstrudel der Börsen gegenseitig verstärken dürften. 

Derartige fundamentale Betrachtungen sind für die Prognose der Aktienmärkte unerlässlich. Deshalb gehen wir solchen Entwicklungen und Zusammenhängen mit besonderem Interesse nach. In unserem Börsenbrief stehen die Zyklik des Dow-Jones-Index, des Goldkurses, des Dax und die darauf basierenden Prognosen im Vordergrund. Die fundamentalen Hintergründe erwähnen wir im Börsenbrief aus Platzgründen nur sehr kurz, obwohl sie unsere Prognosen erheblich unterstützen. Hier auf dieser Internetseite haben wir den Raum zur ausführlichen Darstellung der fundamentalen Situation:

Deutschland:
Anlässlich der Tarifrunde in der deutschen Metallindustrie im Mai 2002 ist das Kaufkraftargument der Gewerkschaften zu entlarven: Eine Tariferhöhung von 100 Euro bringt dem Arbeitnehmer nach Abzug der Abgaben und Steuern kaum mehr als lächerliche 40 Euro. Beim Arbeitgeber fallen aber aufgrund der bei 79 %  liegenden Lohnnebenkosten sage und schreibe 179 Euro als zusätzliche Kosten an. Dies verdeutlicht gravierende Fehlentwicklungen, die seit den 70er Jahren die Arbeitslosigkeit nach jeder Lohnerhöhung immer steiler hinauftrieben. Der Hintergrund ist eine Politik, derzufolge sich eine Leistung infolge der exzessiven Steuer- und Abgabenbelastung nicht mehr lohnt. Der dadurch schleichend in Gang gesetzte Zusammenbruch des Sozialstaats rückt immer näher und kündigt sich zur Zeit bereits in vielfältiger Weise an. Zu den Folgen des Niedergangs gehören u. a. wertlos werdende Aktien.
 
Wenn im Zuge der prognostizierten schmerzhaften Selbstheilungskrise der Arbeitnehmer gemäß der obigen Beispielrechnung auf 40 Euro seines Netto-Arbeitseinkommens verzichtet, spart der Arbeitgeber sage und schreibe 179 Euro an Arbeitskosten ein. Dieses Beispiel zeigt, wie durchgreifend ein solcher Effekt wirkt. Das dadurch verringerte Abgabenaufkommen würde durch Mehreinnahmen aufgrund der erzielten wirtschaftlichen Belebung mehr als ausgeglichen. So ermöglichten die Einengungen der Gewerkschaftsrechte durch Margret Thatcher und  Ronald Reagan einen ungeahnten Aufschwung. Und in den USA bewirkte Reagan durch zusätzliche Steuersenkungen sogar eine fast zwanzigjährige Wirtschaftsblüte. (Allerdings endete dieser Aufschwung dramatisch, nachdem aus dem Wirtschaftskreislauf riesige Mittel abgezogen wurden, um am Aktienmarkt angelegt zu werden, die aber mit Hilfe einer vielfach unseriös handelnden “Wertpapierindustrie” in unsolide und betrügerisch finanzierte Vorhaben flossen.) 
 
Ebenfalls Deutschland:
Aus einem Leserbrief (FAZ 18.06.02, S. 8) :
Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf die ganze Wahrheit, und die lautet: Die Kommunen sind nicht mehr nur im Ausnahmezustand, sondern sie sind finanziell am Ende. Mit Überziehungskrediten werden schon Zinsen, Personal und Sozialhilfe bezahlt. Mit fast zwei Milliarden Euro schlagen allein in Niedersachsen die Überziehungskredite zu Buche, eine Summe, die von keiner Schuldenstatistik erfasst wird. . . Dem ist hinzuzufügen, dass wir uns gemäß dem 70-Jahres-Zyklus erst am Beginn einer schätzungsweise noch 15 Jahre langen Strecke der Verarmung befinden und dass eigentlich niemand in der Lage ist, sich vorzustellen, welche Verhältnisse am Ende dieser Stecke herrschen und zu welchen Umbrüchen dies führt.

USA:
Mit der riesigen Geldmengenausweitung in den USA ab September 2001 wurde lediglich scheinbar eine weitere konjunkturelle Erholung erreicht, aber tatsächlich trat das Gegenteil des angestrebten Effektes ein.
Hinzu kommt das nicht mehr finanzierbare US-Leistungsbilanzdefizit aufgrund jahrelanger zu hoher Importquoten. Dies zwingt den Dollar zur Abwertung, wodurch in die USA zu importierende Waren dort teurer werden. Infolge dieser Entwicklung stehen bald auf den Höfen der deutschen Automobilindustrie Zehntausende von unverkäuflichen Autos und unsere wechselkursbedingte Scheinkonjunktur bricht zusammen.

Die NZZ vom 20.07.02, S. 1, schreibt unter “Amerikas Kapitalismus am Ende?: Für die jüngsten Skandale verantwortlich gemacht werden die gewinnsüchtigen Manager, die nachlässigen Verwaltungsräte und der allgemeine moralische Verfall in der Gesellschaft in genau dieser Reihenfolge.   . . . Solange man in Amerika wegen eines ungedeckten Schecks über 40 Dollar im Gefängnis landen kann, während Manager, die Millionen veruntreuen, auf freiem Fuß bleiben, ist etwas faul im Staate.”

24.12.02: Einem zwölfseitigen Interview mit Dr. Kurt Richebächer
wurden folgende Sätze entnommen:
US-Aktien sind auch heute noch überbewertet. Der schlimmste Teil des Bärenmarktes wird noch kommen und wird in einer vollständigen Zerstörung des finanziellen Reichtums enden, welcher aus der Blase gezogen wurde. . .Sie haben teure Kredite gegen Aktien getauscht. Der Trick war, die Investoren zu täuschen, indem sie die Zahl der Aktien reduzierten. . . Es gibt eine allgemeine Weigerung, die Wirklichkeit zu betrachten. Die völlige Aufzehrung aller nationalen Ersparnisse ist für die US-Volkswirtschaft die heikelste Lage von allen. . .  Es ist sehr wichtig zu erkennen, dass die Federal Reserve jegliche Kontrolle des Geldes und der Kreditschöpfung aufgegeben hat.  . . . Diese Märkte werden kollabieren, was verwüstende Auswirkungen auf die US-Wirtschaft haben wird . . . Das US-Handelsdefizit und die angestaute Verschuldung im Ausland haben ein Ausmaß erreicht, welches sich jeder möglichen Handlung durch Zentralbanken widersetzt. Das Schicksal des Dollars ist bar jeder Kontrolle.

Argentinien als Beispiel: (08.08.04)
Die Krise in Argentinien spitzte sich im Herbst 2001 erheblich zu: Plünderungen griffen um sich, nachdem ein 30-Tage-Ausnahmezustand erlassen werden musste, und Barabhebungen wurden auf 250 Dollar pro Woche beschränkt. Jahrzehntelang wurden mit der Hilfe des IWF dort Löcher gestopft, ohne das Grundübel, den nicht ausgeglichenen Staatshaushalt, zu sanieren. Denn ein Kartell von korrupten Staatsdienern einerseits und von Geldgebern, Banken und der Wertpapierindustrie andererseits, die an den Zinszahlungen interessiert sind, war der Nutznießer. Die jährlichen Zinsen für mittlerweile 132 Milliarden Dollar Staatsschulden ruinierten Argentinien und 40 Prozent der 36 Millionen Einwohner wurden dadurch in die Armut getrieben. Nun verlangt der IWF einschneidende Abwertungen der Sparguthaben, lediglich um die Geldgeber vor dem allgemein üblichen Kapitalanlegerrisiko zu schützen. Argentinien war früher das reichste Land in Südamerika. Nach der beschriebenen Ausplünderung  gehört es nun zu den ärmsten.

Hinzugefügt am 08.08.04: Die “Welt am Sonntag” berichtet am heutigen Tag auf der Seite 34 unter “IWF erhöht Druck auf Buenos Aires”, dass nach der Einstellung der Zinszahlungen und der Kreditrückzahlungen an die Masse der Gläubiger, wobei das IWF weiter bedient wird, die Wirtschaft beginnt, in einem atemberaubenden Tempo zu wachsen: Im ersten Quartal 2004 betrug die Zuwachsrate des Bruttosozialproduktes sage und schreibe elf Prozent.
 


Der Thailand-Coup
als Beginn einer Fahrt in den Abgrund, dem 11. September 2011


In unserem Börsenbrief vom 15. Juli 1998 berichteten wir an Hand eines Beispiels aus dem "Spiegel", Heft 22/1998, wie die Großspekulation unglaublich hohe Gewinne einstreicht: Auf 6 Seiten schrieb u. a. von Blumencron ausführlich über die "erfolgreichste Währungsspekulation aller Zeiten" in Ostasien, die von Goldman-Sachs und George Soros eingefädelt und nach gründlicher Vorbereitung mit einer Spekulationskasse von mehreren Mrd. Dollar am 13. Mai 1997 gestartet wurde. Allein der Thailand - Coup brachte nach dem uralten Rezept, Geld hineinpumpen und dann abziehen, 30 Milliarden Dollar ein. Nachdem die Konjunktur zum Boomen gebracht wurde,  "starteten die Händler eine Art Propagandaoffensive. Investmentbanken und Fondsmanager verbreiteten Berichte, in denen sie die Zukunft Thailands in düsteren Farben schilderten". Folglich konnten die US - Ratingagenturen ihr bis dahin überzogen hohes erstklassiges Rating herabsetzen, was den Baissiers riesige Gewinne einbrachte. Und "vergleichbares hatte die Welt seit dem Crash von 1929 nicht mehr erlebt". Sollte sich bei einem solchen Coup ein US-Hegefonds in einem ruinösen Ausmaß verspekulieren, geht der Fonds nicht etwa Pleite. Dann leitet das Notenbank-System für ihn eine Stützungsaktion ein. Aber das betroffene Land ist auf Jahre hinaus schwer geschädigt: Der ehemalige “Tigerstaat” (weil die Konjunktur boomte) Indonesien ist jetzt vollständig von ausländischer Hilfe abhängig (NZZ 26.04.01, S. 11). “Ein Viertel der Bevölkerung lebt am Rande des Existenzminimums und ein weiteres Viertel nur wenig darüber. Die statistischen Zahlen der Weltbank sprechen für sich: 60% der Bevölkerung können pro Tag über nicht mehr als 2 $ verfügen.”


Der Terroranschlag vom 11. September 2001
 - als blutiger Aufstand des Fundamentalismus aufgrund  des Thailand-Coups und anderer Demütigungen

Nachrichten, wie “60% der Bevölkerung können pro Tag über nicht mehr als 2 $ verfügen”, nachdem der von Goldman-Sachs und George Soros eingefädelte Thailand-Coup über 30 Milliarden Dollar einbrachte und der ehemalige “Tigerstaat” Indonesien durch eine ähnliche Spekulation ruiniert wurde, wirken auf den “demokratieunfähigen Islam” als “Demütigungen durch eine übermächtige Moderne”. Und jahrzehntelang aufrecht erhaltene Lager vertriebener Palästinenser, ohne Aussicht auf die von UN-Beschlüssen geforderte Rückkehr, wurden zu Brutstätten einer Armee religiös fanatisierter Selbstmordattentäter. Die “Welt am Sonntag” vom 16.09.01, S. 36, erklärt mit diesen Stichworten den gegen die “neue Weltordnung” und “Wall Street” gerichteten fürchterlichen Terroranschlag vom 11. September 2001 unter “Hass als Prinzip” als “blutigen Aufstand des Fundamentalismus”. In diesem Artikel stand ferner: “Eine multikulturelle, verharmlosende Optik mag mit dazu beigetragen haben, dass man (im westlichen Kulturkreis)  über die latente Gewaltbereitschaft der Muslimen hinwegsieht.” In diesem Zusammenhang ist ein Beitrag im Feuilleton der FAZ vom 28.09.01 von Arundhati. Roy erwähnenswert, indem die Meinung vertreten wird: “Der Terror ist nur ein Symptom, nicht die Krankheit”. Vielmehr handele es sich dabei um Reaktionen auf die Globalisierung und eine rücksichtslose amerikanische Außenpolitik.

Nachtrag vom 14.09.03: ZDF-Sendungen der letzten Woche war entnehmen, dass Al Qaida gegründet wurde, weil im Jahr 1996 die US-Konservativen eine grundlegende Neuordnung Arabiens bzw. des Mittleren Ostens mit kriegerischen Mitteln beschlossen hatten (siehe dazu den folgenden Beitrag).

 

 02.04 2008  
Die Ursachen und die Folgen des Irakkriegs
zeigen, wie die Fahrt in den Abgrund weiter geht


Die FAZ vom 27.03.03, S. 39, schreibt unter “Friedenspoker”: “Schon 1996 beschrieb Richard Perle, heute Chefberater des Pentagons, in einem Vermerk für den damaligen israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu den Sturz Saddams als eine Voraussetzung für den Frieden im Nahen Osten. Seither hat sich der Gedanke des Regimewechsels im Irak als Auftakt einer grundlegenden Neuordnung Arabiens in vielen Köpfen festgesetzt. . .  In groben Zügen soll sich die Runderneuerung des Mittleren Ostens folgendermaßen abspielen: Die Niederlage Saddams und die Befreiung der arabischen Schiiten ermutigt deren Glaubensbrüder im Iran, sich gegen die Mullahs in Teheran zu erheben. Nach deren Vertreibung wollen die Amerikaner Iran überreden, auf sein Atomprogramm zu verzichten und jede Hilfe für Terroristen zu streichen. Auch den westlichen Nachbarn des Iraks, Syrien, so die Hoffnung, wird die Demokratisierung Bagdads erschüttern. Sollte die dortige Baath-Partei wider Erwarten nicht stürzen, so wäre sie doch künftig von prowestlichen Staaten - der Türkei, Israel, Jordanien und dem befreiten Irak - eingekreist. . . Um das Glück komplett zu machen, müsste auch Saudi-Arabien, von dessen Ölreserven Amerika fürderhin unabhängiger wäre, Reformen erwägen, jedenfalls die Finanzierung von Hamas und Al Qaida einstellen. Der Weg zum Frieden im Nahen und Mittleren Osten führt über Bagdad”.

Tatsächlich begannen die USA am 20. März 2003, dem obigen Vorhaben nachkommend, mit dem Irak-Krieg die Neuordnung des Nahen Ostens in die Tat umzusetzen. Das Ziel ist offensichtlich, überall im Nahen Osten Marionettenregierungen einzusetzen, um das Palästinaproblem im Sinne Israels lösen zu können. Typisch ist, dass auch dieses Vorhaben kontraproduktiv wirkt. Denn somit kann nur das glatte Gegenteil der von den USA immer wieder als Kriegsziel erwähnten Einführung demokratischer Verhältnisse erreicht werden.
Der erste Schritt, der Irakkrieg, begann mit “erfundenen Gründen”, so der Oscar - Preisträger Michael Moore am 23. März 2003 anlässlich der Preisverleihung in Hollywood. Denn weder atomare oder sonstige Massenvernichtungswaffen wurden gefunden. Auch die angeblichen Urankäufe waren ebenfalls nur vorgeschoben. Dabei wurde keinerlei Rücksicht auf die Vereinten Nationen, das Völkerrecht, den Sicherheitsrat, die öffentliche Meinung und die Kosten genommen.

Im Mai 2004 erregte eine Fülle von Bildern scheußlicher Folter - Exzesse aus dem Irak weltweites Aufsehen, die belegen, wie die US - Army dort systematisch Kriegsverbrechen beging. Und am 22.12.04 schrieb die NZZ, S. 2, unter “Neue Foltervorwürfe gegen das US - Militär” über Beobachtungen des FBI in Gunantánamo. Die FAZ vom gleichen Tage ergänzte auf Seite 5 den Bericht : “Es sei zu schweren körperlichen Misshandlungen gekommen, unter anderem seien Häftlingen brennende Zigaretten in die Ohren gesteckt worden.”

Ähnlich entwürdigend behandelt Israel die Palästinenser: Al Qaida erhält deshalb in der arabischen Welt einen ungeheuren Zulauf und ist nun erheblich stärker ist als je zuvor. Mit Hilfe eines Anschlags in Madrid am 11.03.2004 gelang es Al Qaida, dort eine US- freundliche Regierung abwählen zu lassen, so dass die von Spanien für den Irakkrieg bereitgestellten Truppen zurückgezogen werden mussten.

Weiterhin gelingt es offensichtlich der nun erheblich gestärkten Al Qaida, mit Hilfe eines explodierenden Erdölpreises die gesamte westliche Welt zu destabilisieren: Denn Mitte 2005 erreichte der Ölpreis 60 Dollar pro Barrel, weil der Irak und Saudi-Arabien aufgrund des Einflusses von Al Qaida nicht in der Lage sind, ihre Ölförderung entsprechend der gestiegenen Weltnachfrage zu steigern. Wenn der Ölpreis weiter derart ansteigt, worauf unsere Analyse des Ölcharts hinweist, trifft das den Wohlstand aller Industrieländer im Kern und wird einen weltweiten tiefgreifenden und langanhaltenden Aktienkurszusammenbruch nach sich ziehen.

Der vierfache schwere Sprengstoffanschlag vom 07.07.2005 auf den Massenverkehr im Bankenviertel in London mit 53 Toten und 700 Verletzten zeigt, dass der völkerrechtswidrige Krieg im Irak “zur Neuordnung des Nahen Ostens” nicht zu gewinnen ist: Obwohl die USA für den Irakkrieg bereits mehr als 1000 Mrd. Dollar aufgewendet haben, wurde Al Qaida erst durch den Irakkrieg groß gemacht und dokumentiert mit jedem neuen Anschlag seine immer mehr zunehmende weltweit operierende Macht. (Nachtrag: In der Fernsehsendung “Kontraste” des ZDF vom 01.04.08 wurden die Gesamtkosten des Irakkrieges mit sage und schreibe 6000 Mrd. Dollar angegeben.) Der Terrorismusexperte der ARD, Joachim Wagner, erklärte in einer Sondersendung “Terror in London” des 1. Fernsehprogramms am Abend nach dem Anschlag vom 07.07.05, dies alles sei “ausgelöst durch den Palästina-Konflikt”.
Nur weil die Zündungen versagten, kam es am 21.07.05 in London bei weiteren Sprengstoffanschlägen nicht wieder zu derartigen Schäden.
Im Zusammenhang mit diesen Sprengstoffanschlägen veröffentlichte die FAZ vom 22.07.05, Seite 9, einen erwähnenswerten Leserbrief: “. . . Die in Europa lebenden Muslime erleben es schmerzhaft, wie die von Amerikanern und ihren europäischen Verbündeten gehätschelten Israelis sich permanent ungestraft über das Völkerrecht hinwegsetzen und UN-Beschlüsse zur Makulatur verkommen lassen. . .  So wird der Nährboden für radikal-islamische Gewalttäter bereitet. . .”

Eine weitere Folge des Irakkrieges ist die offensichtlich gewordene Potenzierung der Macht durch den Interessenverbund USA/Israel, die kaum noch Rücksicht auf das Völkerrecht nimmt, wie zum Beispiel der israelische Bau der Mauer auf palästinensischem Gebiet zeigt. Hinzu kommt eine allgemeine Verunsicherung, weil nicht nur das Völkerrecht sondern auch die allgemeine Rechtsordnung verfällt: So muss beispielsweise die deutsche Bundeswehr in Afghanistan ein Folterregime und den Rauschgiftanbau schützen. Und US -Behörden lassen z. B. in Ägypten foltern (siehe FAZ 19.02.02, S. 37, unter “Grausam und ungewöhnlich”: Das Prinzip “Wir liefern, ihr foltert” wurde im tadellosen Teamwork verwirklicht . . .).  Prof. Uwe Wesel von der FU-Berlin sagte dazu in einer 3-Sat-Fernsehsendung vom 08.12.05: “Die USA zerstören die kulturelle Substanz”.
 
Ein Leserbrief der FAZ vom 17.11.04, S. 8, “Der Einfluss der Neokonservativen” bestätigt die oben vertretene Meinung:  “Es ist der Einfluss der Pro-Isreal-Lobby in den Vereinigten Staaten, der seit Jahrzehnten jede Israel-kritische Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen durch das Veto der Vereinigten Staaten zu Fall kommen lässt.” Und zu den Neokonservativen in den USA: “. . . hinter denen sich vor allem das Bestreben der Durchsetzung israelischer Interessen mit den Machtmitteln der Vereinigten Staaten verbirgt.” Es sind “die politisch in hohem Maße Mitverantwortlichen für die Expansions- und Unterdrückungspolitik der Israelis gegenüber den Palästinensern.”

Dies alles hat den Begriff “USrael” entstehen lassen. Welch weite Verbreitung diese Bezeichnung inzwischen fand, beschreibt das Internet - Suchportal Google, das im Dezember des Jahres 2006 sage und schreibe 43.000 Einträge zu dem Suchbegriff “USrael” auflistet. Wie rasant dieser Begriff um sich greift, zeigt, dass es vor einem Jahr nur 6.300 Einträge gab. Zugleich entsteht dadurch ein gefährlich zunehmender Gegensatz zwischen der öffentlichen Meinung, wie sie sich unverfälscht und vielseitig im Internet widerspiegelt, und der veröffentlichten Meinung, die häufig von den Medien einseitig vertreten werden muss, wie der dort nicht diskutierte Begriff “USrael” zeigt. Mit solchen Tabus wird aber das Gegenteil des angestrebten Effektes erreicht, denn folglich verbreitet sich das Misstrauen immer mehr. Diese zunehmende Unglaubwürdigkeit schädigt besonders die Bereiche Medien und Politik und belastet vor allem das Vertrauen in die Zukunft. 

Die Verbindung USA/Israel ist aufgrund des ungeheuren Einflusses dieses Machtkartells wie oben beschrieben extrem kontraproduktiv und führt deshalb zwangsläufig zu einer Krise, an deren Ende es zum Gegenteil der heutigen Verhältnisse kommt. Insbesondere dürfte sich dadurch auch  die Verbindung USA/Israel durch den von uns prognostizierten Zusammenbruch des “american way of life” ins Gegenteil verkehren. Das kann man sich heutzutage noch nicht vorstellen. Wir halten es deshalb für hochinteressant, die einzelnen Phasen dieser Entwicklung zu beobachten: In dem Maße wie sich krisenbedingt die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechtern, ist auch  die Verbindung USA/Israel betroffen. Beispielsweise sieht sich nun Israel im Rahmen erster Schritte gezwungen, Teile der Mauer um Jerusalem zu beseitigen und die Siedlungen im Gaza - Streifen, die gegen die UN - Beschlüsse verstoßen, aufzugeben.

In der  “Welt am Sonntag” vom 23. März 2008 fragt auf Seite 12 Ernst Cramer, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer Stiftung,  unter der Überschrift “Israel wird an seinen eigenen Werten gemessen”: “Wie gehen wir damit um, wenn in Umfragen eine deutliche Mehrheit der Befragten in Europa sagt, die größere Bedrohung für die Welt gehe von Israel aus und nicht etwa vom Iran?” Und fügt hinzu, dass in dieser Frage die zuständigen Ausschüsse der Vereinten Nationen fast ausnahmslos versagen.

Der “NZZ” vom 1. Februar 2008 , Seite 31, ist unter “935 Falschmeldungen” zu entnehmen, “bei Hunderten von Gelegenheiten hätten Bush und seine Regierungsmitglieder in den zwei Jahren nach den Attacken auf das World Trade Center und das Pentagon mindestens 935-mal Falschaussagen verbreitet” und “der Bericht spricht von <orchestrierten Lügen auf dem Weg zum Krieg>. Die US-Regierung hätte ihre Statements immer wieder damit verteidigt, “dass sie auf den damals verfügbaren Geheimdienstinformationen basiert gewesen seien”. Hiermit  wird einer der herausragenden Gründe des anwachsenden schwerwiegenden Vertrauensverlusts angesprochen, der zunehmend auch die Kapitalmärkte erfasst. Da Vertrauen die Grundlage einer erfolgreichen Wirtschaft ist, begann mit dem immer mehr um sich greifenden Vertrauensverlust ein Niedergang, dessen vorläufiger Tiefpunkt die Hunderte von Milliarden Dollar und Euro vernichtende Subprime-Krise ist.

Aufgrund dieser geradezu vorprogrammierten Krisen ist ein bis zum Schluss des 70-Jahres-Zyklus laufender Jahrhundert-Kurseinbruch an den Börsen der Welt zu erwarten, der das Jahr 1932 weit in den Schatten stellt.

Wie es bei uns in Berlin aussieht, wenn die Jahrhundertbaisse zu Ende ist, prognostizierten wir vor zwei Jahren in einem unserer Börsenbriefe: “So könne man sich vorstellen, dass die Schaufensterscheiben auf dem Kudamm mit Brettern vernagelt sind.”


Freiheit und Einkommen
“Es geht um eine Befreiung der mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit deformierten Sozialen Marktwirtschaft in Sinne Ludwig Erhards.”
 
“Die wirtschaftliche Freiheit setzt sich allmählich durch.”
Unter dieser Überschrift erschien in der FAZ vom 16.11.02, S. 16, eine Weltkarte der wirtschaftlichen Freiheit, in der die Länder in unfrei (5), bis frei (1) eingeteilt sind. Ein Diagramm zeigt, wie mit dem Grad der Freiheit das Bruttoinlandsprodukt von weniger als 1.000 Dollar bis auf etwa 40.000 Dollar je Einwohner ansteigt. Die höchsten Freiheitsgrade wurden für Hongkong (1,45) und Singapur (1,50) vergeben, was im Diagramm etwa 35.000 Dollar entspricht. Deutschland liegt als nur noch “überwiegend freies Land” mit einer Bewertung von 2,10 auf einem mittleren Platz, so dass hier das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner lediglich rund 18.500 Dollar erreicht. Die Begründung: “Unter der Regierung von Bundeskanzler Schröder haben sich die Rigiditäten auf dem Arbeitsmarkt verschlimmert”. Ferner werden die sehr hohen Kosten der öffentlichen Verwaltung und das sehr hohe Niveau an Staatsausgaben bemängelt. Und: “Deutschland leide unter einer ‘Malaise’, die vor allem durch strukturelle Schieflagen begründet sei.”

Hierzu passt der FAZ-Artikel von Arnulf Baring vom 19.11.02, S. 33, “Bürger, auf die Barrikaden!” mit dem Untertitel “Deutschland auf dem Weg zu einer westlichen DDR”, in dem der Autor u. a. schreibt: “Es geht um eine Befreiung der mittlerweile bis zur Unkenntlichkeit deformierten Sozialen Marktwirtschaft in Sinne Ludwig Erhards.” Und “bei uns sind alle Themen tabuisiert, zum Beispiel die Probleme des Bevölkerungsrückgangs in Deutschland.” Wir fügen hinzu, wer heutzutage ein Tabu verletzt, muss damit rechnen, vernichtet zu werden, wie es das Beispiel  “Möllemann” zeigt. Zur Zeit der Wirtschaftswunderjahre war der Grad der Freiheit wesentlich größer, was einer der entscheidenden Gründe für die seinerzeit bei uns unglaublich hohen Wachstumsraten des Bruttoinlandsproduktes war. Die Einschränkungen der Freiheit infolge des 68er Umbruchs beendeten die Wirtschaftswunderjahre.



Die Demographie-Krise in Deutschland
- ein langfristig geplanter Niedergang?


Bisher im obigen Text verstreute Beiträge hinsichtlich der demographischen Entwicklung in Deutschland wurden hier zusammengefasst und im Rahmen eines Anhangs ergänzt: Solche einschneidenden Veränderungen beeinflussen natürlich die beschriebene Zyklik des wirtschaftlichen Auf und Ab, indem sie Abschwünge verstärken, aber auch die anschließenden Erholung erheblich dämpfen.

Lange Zeit war bei uns das Thema der Demographie einem Tabu unterworfen. Wie man sieht, wird es nun immer offener diskutiert: Im Jahr 1941 kam der Plan des Präsidenten der amerikanischen Friedensliga Nathan Kaufman auf, der in seinem Buch “Germany Must Perish” (“Deutschland muss vernichtet werden”) forderte, “die Welt für immer vom Deutschtum zu befreien und zu verhindern, dass das Volk der Deutschen jemals wieder seine Art fortpflanzt”. Das hängt unserer Meinung nach damit zusammen, dass im Zentrum Europas nicht ein Industriestaat Deutschland entstehen darf, der die Vorherrschaft der USA gefährdet.

Dieses Ziel unterstrich gemäß, der FAZ vom 27.10.06, Seite 1, Außenminister Steinmeier (SPD) zu Beginn des akademischen Jahres an der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder mit den Worten, alle Befürchtungen seien unbegründet, dass Deutschland mit Hilfe der EU “wieder eine dominierende Rolle in Europa spielen will”. 

Auch der Plan des US - Finanzministers (1934 - 1945) Henry R. Morgenthau, der 1944 die Entindustriealisierung Deutschlands forderte, gehörte dazu. Vieles, was diesen Zielen diente, wurde während der Wirtschaftswunderjahre aus Gründen der damaligen sowjetischen Bedrohung hintangestellt, aber offensichtlich anschließend wieder voll aktualisiert.

Für diese These spricht, dass Deutschland nach dem steilen Aufschwung während des “kalten Krieges” jetzt das Schlusslicht der Zuwachsraten des Bruttosozialproduktes aller europäischen Länder bildet. Die in Deutschland besonders hohe Steuerbelastung der Unternehmen führte zu einer massiven Auszehrung des Mittelstands und damit zu einer steten Verringerung des Bruttosozialproduktes bei kontinuierlich ansteigender Massenarbeitslosigkeit.
Das es auch ganz anders geht, ist einem Bericht der FAZ vom 8. März 2005, S. 13, zu entnehmen: In der Schweiz liegt die saisonbereinigte Arbeitslosenquote zur Zeit bei sage und schreibe lediglich 3,8 Prozent. Dieser paradiesische Arbeitsmarkt ist vor allem auf den dort nicht vorhandenen Kündigungsschutz zurückzuführen, weshalb sich die Gewerkschaften zurückhalten müssen. Hinzu kommt, dass dort der Mehrwertsteuersatz  nur 7,6 Prozent beträgt und die Währung zu 60 % goldgedeckt ist - alles in Deutschland völlig undenkbare Verhältnisse.

Besonders in Ostdeutschland sind die Folgen der nach der Wiedervereinigung auch dort begonnenen Entindustrialisierung zu besichtigen, während im Gegensatz dazu sich beispielsweise die Slowakei  nach dem Zerfall des Ostblocks mit Hilfe geringer Steuersätze in erstaunlicher Weise überraschend gut erholte. Und während in der DDR Familienförderungsprogramme üblich waren, die außerordentlich erfolgreich verliefen, sind bei uns Maßnahmen zur Erhöhung der Geburtenrate offensichtlich unerwünscht.

Für die im zweiten Absatz aufgestellte These spricht ferner ein Leitartikel auf der  Seite 1 der FAZ vom 6. April 2006 unter der Überschrift “Die Erblast von Achtundsechzig”. Hier ist die Rede von einem “Entnationalisierungsprogramm, mit dem das Deutschsein der Deutschen möglichst stark verdünnt werden sollte”. Noch vor wenigen Jahren war es unmöglich, über ein derartiges Programm zur langfristigen Schädigung Deutschlands, das inzwischen weitgehend realisiert wurde, zu berichten. Der FAZ - Leitartikel offenbart somit einen Verfall eines lange Zeit streng gehandhabten Tabus und einen fundamentalen Wandel der veröffentlichten Meinung, wie auch die nachfolgenden Hinweise zeigen:

Prof. Dr. Herwig Birg schreibt zum Thema ““Generationenstress: Die Demographie wird zum Krisenherd” in der FAZ vom 02.04.04, S. 39: “Da bei den Deutschen ein Drittel der nach 1965 geborenen Jahrgänge zeitlebens kinderlos bleibt, und nur den finanziellen Beitrag entrichtet, hat die Spaltung der Gesellschaft eine verfassungsrechtliche Dimension.” Und: “Da die vor dreißig Jahren nicht Geborenen heute als potentielle Eltern fehlen, könnte jetzt die beste Familienpolitik mangels Adressaten das Blatt nicht wenden. Wir sind mitten in einem Geburtenrückgang, der ab 2030 wiederum zu einem Eltern- beziehungsweise Geburtenrückgang führt”. Und “Selbst wenn sich in Deutschland die Produktivität und das Pro-Kopf-Einkommen der Erwerbstätigen bis 2050 noch einmal verdoppeln, kann das Volkseinkommen wegen der bis dahin um 14 Millionen bis 16 Millionen schrumpfenden Zahl der 20- bis 60jährigen nur um ein Drittel zunehmen. Dieser mäßig wachsende Kuchen muss zwischen vier großen Interessengruppen verteilt werden, wobei allein die stark wachsende Zahl der 60jährigen und Älteren etwa 40 Prozent des Volkseinkommens beanspruchen wird, wenn das Verhältnis zwischen der Durchschnittsrente zum Durchschnittseinkommen nicht noch weiter gesenkt wird. Der demographisch bedingte Verteilungsstress ist das Kernproblem: Es gilt erstens, den Interessengegensatz zwischen den alten und den jungen Generationen bei der Verteilung der steigenden Versorgungslasten durch Reformen so zu regeln, dass die von der Verfassung des sozialen Rechtsstaats garantierten Grundlagen erhalten bleiben.. . . Ein dritte Konfliktlinie entsteht durch die wachsende Population der Zugewanderten bei gleichzeitiger schrumpfender autochthoner Bevölkerung, wobei die Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei den unter 40jährigen in vielen Großstädten in etwa zehn Jahren die neue Mehrheit bilden wird. . .” Herwig Birg schließt: “Demographisch bedingter Verteilungsstress wird die Welt von morgen in kaum gekannter Weise prägen.”

In diesem Zusammenhang ist das Taschenbuch von Prof. Dr. Herwig Birg “Die demographische Zeitenwende”, Verlag C. H. Beck, lesenswert, aus dem hier einige Leitsätze zitiert werden: “Die Horrorvorstellungen über die Folgen einer Klimaänderung sind harmlos im Vergleich zu den drohenden kulturellen und sozialen Verwüstungen in unserer Gesellschaft. . . Ein scheinbar unwiderlegbares Argument gegen die Beschäftigung mit Bevölkerungsproblemen wird in Deutschland aus unserer Geschichte zwischen 1933 und 1945 abgeleitet. . . Die Einwanderung aus dem Ausland verläuft in Deutschland seit Jahrzehnten ungesteuert. Das Migrations- und Integrationsproblem hat in der Lebenswirklichkeit vieler großer Städte ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen, . . . weil die Bildungsabschlüsse der zugewanderten Bevölkerung und ihrer hier neugeborenen Nachkommen bei weitem nicht dem Qualifikationsniveau der deutschen Bevölkerung entsprechen. . . Insbesondere das demographisch relevante Handeln wirkt werteschaffend oder wertevernichtend. . . Im Vergleich zur demographischen Katastrophe ist der Zusammenbruch des Kommunismus unwichtig (der Ethnologe Claude Lévi-Strauss). . . Je höher die Lebenserwartung war bzw. je stärker sie zunahm, desto niedriger war bzw. ist die Kinderzahl pro Frau. . . Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung sind gravierend. . . Die Folge ist, dass Kinder gemessen an den Opportunitätskosten immer unerschwinglicher werden, so dass die Geburtenrate seit Jahrzehnten abnimmt. . . Die größte Bedrohung ist jedoch die schon im Gange befindliche Manipulation der Wahrnehmung mit den Mitteln der modernen Kommunikationstechnologie, die alle anderen Gefahren potenziert.”

Hinsichtlich der Geburtenrate gibt ein Vermerk in der FAZ vom 27.04.01, S. 1, Auskunft: “Der Absturz der Jahrgangsstärken, die zwischen 1965 und 1975 bei 1,3 Millionen Geborenen lagen, auf jetzt rund 750000 hat erst im Zuge einer Debatte zur Zukunft der Alterssicherung Beachtung gefunden.” Ein durch die niedrige Geburtenrate entstandenes weiteres Problemfeld besteht in den Ghettos der Großstädte, wo mittlerweile fast jeder zweite Bewohner von Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe lebt, weil gemäß der FAZ vom 7.2.01, S. 9, “Deutschland sehenden Auges seine wirtschaftliche Belastung vergrößert, indem es hauptsächlich diejenigen aufnimmt, die am schlechtesten für den Arbeitsmarkt qualifiziert sind”.
 
Unter “Ökonomisch nicht notwendig” beschrieb die FAZ am 20.12.02, S. 4, einen der Gründe, warum die Kommunen finanziell am Ende sind:
“Der hessische Justizminister Wagner (CDU) hat bestritten, dass für Deutschland die Einwanderung ökonomisch notwendig sei. Wagner verwies am Donnerstag in Wiesbaden darauf, dass sich die Zahl der Ausländer in der Bundesrepublik seit 1970 verdoppelt habe. Die Zahl der ausländischen Arbeiter und Angestellten sei aber in derselben Zeit von 2,5 Millionen auf gut 2 Millionen Menschen zurückgegangen. Die Arbeitslosigkeit der Ausländer liege mit 18,3 Prozent doppelt so hoch wie bei der Gesamtbevölkerung. Von einem ‘ökonomischen Muss für die Zuwanderung’ kann nach den Worten Wagners daher keine Rede sein. Nach Auffassung des hessischen Justizministers muss verhindert werden, dass statt einer gezielten Einwanderung von benötigten Fachkräften eine ‘Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme’ stattfinde.”

Der Schwund der Geburtenrate - immer mehr Frauen mit Hochschulabschluss und hohem IQ bleiben ohne Kinder - bei gleichzeitiger unkontrollierter Einwanderung mit höherer Kinderhäufigkeit erhöht gemäß der Welt am Sonntag vom 04.02.01, S. 36, “Deutschland in der Intelligenzfalle” den Anteil an minderer Begabung. Der Anteil der  Hochbegabten würde nur fünf Prozent der Bevölkerung betragen. Und “in Folge dessen müssen wir damit rechnen, dass der mittlere IQ schon in der nächsten Generation deutlich absinkt”. In den USA sei das Problem seit dem Erscheinen des Bestsellers “The Bell Curve” bekannt und Clinton habe veranlasst, die Sozialpolitik radikal zu überdenken (Volkmar Weiss: “Die IQ-Falle”, Leopold Stocker Verlag, Graz).

 
“Teure Einwanderer?”
Unter dieser Überschrift berichtete DER SPIEGEL, Heft 31/28.07.03, Seite 88, über eine Studie des niederländischen Wirtschaftsministeriums mit dem Namen “Immigration und die niederländische Ökonomie“, die versucht, “die politisch korrekte These von den positiven Effekten der Zuwanderung in alternden Gesellschaften zu widerlegen. . . Das dem Wirtschaftsministerium der konservativen Regierung Balkenende angegliederte ‘Central Planbureau’ bewertet in einer 122seitigen Expertise Einwanderer unter dem Gesichtspunkt von Kosten und Nutzen. . . . In EU-Ländern mit hohem Wohlfahrtsniveau entnähmen Migranten während ihres Lebens mehr aus der Staatskasse, als sie einzahlten. Die Verfasser, drei Ökonomen, versuchen mit statistischen Modellen den Nachweis zu führen, dass schlecht ausgebildete Einwanderer der einheimischen Bevölkerung eher schaden, da sie zu scharfer Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt werden können. . . Für eine typische Einwandererfamilie mit zwei Kindern errechneten sie Nettokosten in Höhe von 230.000 Euro.” Aus unserer Sicht sind das pro Einwanderer 57.500 Euro. Auf deutsche Verhältnisse übertragen wären das bei 7 Millionen Zuwanderern und 3 Millionen eingebürgerten Zuwanderern, also insgesamt 10 Millionen, Nettokosten in Höhe von 575 Milliarden Euro. Diese Zahl entspräche rund 44 Prozent der deutschen Staatsverschuldung von zur Zeit 1.300 Milliarden Euro.
 
11.09.04
Prof. Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, hat darauf hingewiesen, dass der durchschnittliche Einwanderer, der noch keine zehn Jahre in Deutschland ist, Jahr für Jahr 2.400 Euro mehr vom Staat erhält, als er diesem in Form von Steuern und Abgaben leistet. Dem ist folgende Rechnung hinzuzufügen: Auf 10 Millionen Einwanderer hochgerechnet, die bei uns leben, ergibt sich eine Belastung des Staatshaushalts innerhalb der ersten 10 Jahre in Höhe von 240 Milliarden Euro.

22.02.05
Professor Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, schrieb in der Zeitung “Die Welt” vom 21.10.04 auf Seite 3 unter der Überschrift “Der deutsche Transferstaat ist Unfug” u. a. “Das politische System der Bundesrepublik Deutschland steht kurz vor dem Umkippen. . . Die deutschen Arbeiter ziehen es vor, in dem Sessel Platz zu nehmen, den der Sozialstaat für sie bereit hält, anstatt sich auf eine Niedriglohnkonkurrenz mit den Zuwanderern einzulassen. Von 1970 bis 2002 hat sich der Bestand an Zuwanderern auf dem ersten Arbeitsmarkt um 3,1 Millionen erhöht, und die Zunahme der Arbeitslosigkeit unter den Einheimischen lag bei 3,2 Millionen. Die Sozialtransfers haben zu einem ganz und gar unsinnigen Migrationsmuster geführt.”

14.09.04
Die FAZ vom 14.09.04, S.5, zitiert unter “Mehr Einwanderung stoppt nicht den Bevölkerungsschwund in Deutschland” Prof. Herwig Birg: “Die Gruppe der 20 bis 40 Jahre alten Menschen, die für das Wirtschaftswachstum besonders wichtig seien, nehme jährlich um etwa 300 000 Menschen ab. Die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft sei deshalb nicht allein konjunkturell bedingt, sondern auch demographisch. Die Erhöhung der Zuwanderung können die demographischen Schwierigkeiten nicht lösen, denn jeder Zuwanderer belaste die öffentlichen Haushalte mit mehr als 2000 Euro im Jahr .” Und:  “Die prekäre Finanzsituation der Kommunen beruht nicht zuletzt auf der hohen Belastung durch Sozialhilfeausgaben, für die großenteils nichtdeutschen Mitbürger.”

Dazu passt auch eine Stellungnahme der NZZ vom 26. August 03, Seite 5, unter der Überschrift: “Werden die Niederlande ausländerfeindlich?” mit dem Untertitel: “Offene Diskussion über Probleme mit Einwanderern: Was früher Tabuthemen waren, wird heute unverblümt thematisiert.”
 
Wie schnell sich dies bestätigte, zeigt der letzte Parteitag der CDU: Laut SPIEGEL ONLINE vom 01. Dezember 2003, 17:02 Uhr, “Amüsanter Ton, harte Nachricht” sprach dort Altbundespräsident Roman Herzog das Thema der Zuwanderung an: “Auch Zuwanderung löse die demografischen Probleme mit wachsender Vergreisung und Armut an Kindern nicht. Integrationskosten von bis zu 150 Milliarden Euro könnten nicht geschultert werden.” Es ist bezeichnend, dass diese Aussage, die eine der Ursachen der nicht mehr beherrschbaren deutschen Staatsverschuldung benennt, in den Medien völlig totgeschwiegen wurde. Derart immens hohe Integrationskosten führen natürlich zu einer erheblichen volkswirtschaftlichen Belastung und damit zur Verringerung unserer Wettbewerbsfähigkeit. Dies würgt die Konjunktur ab und führt zum längerfristigen Verfall der Börsenkurse. Weil diese Aussage des Altbundespräsidenten Roman Herzog von herausragender Brisanz ist, geben wir auf unserer Seite “Leser- Meinungen” unter dem Datum vom 01.12.03 den Fundort an.

am 17.12.06 eingefügt:
Diese demographisch bedingten Folgen bewirken besonders in Deutschland über den beschriebenen 70-jährigen Zyklus des wirtschaftlichen Auf und Ab hinaus eine kontinuierliche Verschlechterung des Bruttosozialproduktes. Die Neue Zürcher Zeitung vom 16./17. Dezember 2006 berichtete dazu in ihrem Leitartikel auf Seite 1: “Herwig Birg , der wohl bekannteste deutsche Bevölkerungswissenschaftler, hat unlängst in einem Streitgespräch über die Zukunft seines Landes ein rabenschwarzes Szenario an die Wand gemalt. Deutschland werde wegen der angeblich für die nächsten 50 Jahre unumkehrbaren Schrumpfung seiner Bevölkerung und des daraus resultierenden Zusammenbruchs der sozialen Sicherungssysteme als Gesellschaft zerfallen. Es werde eine breite  >Verelendung<  wie in der Dritten Welt neben >obszönem Reichtum<  geben.”


 

Abschließende Betrachtung und Ausblick
Einem Leitartikel in der FAZ vom 10.12.02, S. 1, “Der Bremsklotz” ist zu entnehmen, dass die Wirtschaftsleistung je Einwohner in den Vereinigten Staaten dreißig Prozent höher ist als in Deutschland. Dem fügen wir hinzu, dass ohne die immer noch schwächelnden ostdeutschen Bundesländer die pro Kopf gemessene Wirtschaftsleistung USA/Deutschland in etwa gleich hoch wäre. Und wo stünden wir, wenn es den 68er Umbruch mit den Folgen 4 Millionen Arbeitsloser und weiterer fast 2 Millionen Arbeitssuchender und einer Verschuldung von Bund, Länder und Gemeinden in Höhe von rund 1300 Milliarden Euro nicht gegeben hätte?

Unserer Meinung nach wurde der 68er Umbruch inszeniert, um das seinerzeitige Wirtschaftswunder zu beenden und um eine spätere Vormachtstellung Deutschlands auf dem Weltmarkt zu unterbinden. Denn ohne den 68er Umbruch wäre unsere Wirtschaftsleistung pro Kopf rund doppelt so hoch als in den USA. Dies hätte zu unerwünschten weltweiten Einflussmöglichkeiten geführt.

Die bei uns in Gang kommende Selbstheilungskrise dürfte besonders schmerzlich verlaufen, weil damit auch die aus dem 68er Umbruch entstandene Politik betroffen ist. Hierzu gehört ein aus heutiger Sicht bevorstehender kaum fassbarer Meinungswandel, dessen Anfänge bereits vielfach zu beobachten sind. So fällt auf, dass immer häufiger Meinungen nicht mehr zurückgehalten werden, die im völligen Gegensatz zu der bisher in den Medien verbreiteten einheitlichen Betrachtungsweise stehen.
 
Die Zeitschrift des Journalistenverbandes “journalist” Nr. 8/2003, Seite 20 und 21, beschreibt unter “Zensierter Alltag” das bisher als strenges Tabu behandelte Thema der Zensur. Es ist der Aufschrei des Journalisten Werner Rügemer:
“Ein anonymes Gremium beschließt: ‘nicht sendefähig’. Begründung wird nicht gegeben. Keine Mitteilung an den Autor. . . Der Redakteur wurde versetzt. Ich bekam keine Aufträge mehr.” . . . “An 82 Stellen war der Artikel geändert, zum Teil ins Gegenteil umgeschrieben worden.” Ferner: “Von der ‘Stuttgarter Zeitung’ über die Tagesschau bis zur ‘Süddeutschen Zeitung’ und der ‘Welt’ sind, wie auf Kommando, die täglichen Schwerpunkte gleich.” Und: “Beim größten Börsencrash der letzten Jahre wurden eben nicht, wie es gemeinhin heißt, mehrere hundert Milliarden Dollar Anlegergeld ‘vernichtet’; sie befinden sich nur auf anderen Konten. . .  Die größten Konkurse der bisherigen Weltgeschichte wie bei Enron und Worldcom wurden als Betrügereien Einzelner kleingeredet. Dass es dabei Tausende von Gewinnern gab - dies wird verschwiegen. Auch das ist eine Form der Zensur.”
 
Dem ist hinzuzufügen, dass dieser Tabubruch im “journalist”, über die Zensur zu berichten, für den in Gang kommenden Meinungswandel typisch ist: Die Zensur und die Tabus wurden geschaffen, um einen Meinungswandel zu verhindern. Das Gegenteil wird aber hierdurch erreicht. Deshalb ist es äußerst aufschlussreich, wie bisher Totgeschwiegenes zunächst nur unter vorgehaltener Hand angedeutet, dann immer offener angesprochen und schließlich auch in den Medien veröffentlicht wird. So weitet sich mehr und mehr ein unverstellter Blick, der bisher von der vorgegebenen Meinung verfälscht war. Ein solcher Wandel der öffentlich vertretenen Meinungen dürfte zu einem der wichtigsten Merkmale der Selbstheilungskrise werden.

Wie sich beispielsweise die Meinung hinsichtlich Israel immer weiter verschlechtert, beschreibt ein Bericht der FAZ vom 19.11.03, S. 41, über eine Umfrage, welcher Staat die größte Bedrohung für den Weltfrieden darstellt: “In Deutschland waren es sogar 65 Prozent der Befragten, die Israel als Gefahr für den Weltfrieden ansehen.”

Nach Überwindung der Selbstheilungskrise, die insbesondere den erwähnten aus heutiger Sicht kaum vorstellbaren Meinungswandel bewirkt, sollte ein anschließender Jahrzehnte langer Aufschwung in Deutschland wesentlich produktiver verlaufen als in den weniger von dieser Krise betroffenen Ländern. Aus zyklischer Sicht kann die Selbstheilungskrise etwa im Jahr 2017 beendet sein und der nächste Kursgipfel der Aktienmärkte kann im Jahr 2070 eintreten, wenn man den 70-Jahreszyklus zugrunde legt. Übrigens gibt es eine Untersuchung von Robert R. Prechter, die vor dem Kursgipfel der Aktienmärkte im Jahr 2000 vier Zyklen mit Längen von je etwa 70 Jahren ermittelt hat.

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